Sonntag, 17. August 2008

15.08.2008: Olympische Helden (Tageszeitung junge Welt)

Olympische Helden

Peking 2008: Der Dalai Lama und seine Freunde von CIA und Co

Von Colin Goldner
Provokation am sensibelsten Ort: »Studenten für ein freies Tibet
Provokation am sensibelsten Ort: »Studenten für ein freies Tibet« am 9. 8. auf dem Tiananmen-Platz in Peking – dort wurde 1949 die Volksrepublik China ausgerufen
Foto: AP
Wie ein Held wurde der 21jährige Student David Demes am Montag dieser Woche auf dem Frankfurter Flughafen empfangen. Ein Riesenaufgebot an Journalisten von Bild bis Spiegel, Blitzlichtgewitter, Blumensträuße und – tibetischer Willkommensjubel samt den üblichen Glückswedeln, die man einander überreicht. Demes war eben aus Peking angekommen, wo chinesische Behörden ihn kurzerhand ins Flugzeug gesetzt und nach Hause geschickt hatten. Zusammen mit vier Kommilitonen aus den USA und aus Kanada hatte er tags zuvor auf dem Tiananmen-Platz im Zentrum der Stadt ein sogenanntes Die-in veranstaltet, bei dem er sich, in eine Tibet-Fahne gewickelt und mit rotem Kunstblut beschmiert, auf den Boden gelegt hatte, um gegen die »Menschenrechtsverletzungen der Chinesen in Tibet« zu protestieren. Die Aktion war von zivilen Sicherheitskräften nach wenigen Minuten beendet worden, kurze Zeit später saßen Demes und die vier anderen schon im Flieger Richtung Heimat.
Währenddessen lief hierzulande die große Propagandamaschinerie an: Seit längerem schon firmiert Demes als Deutschland-Koordinator einer in New York ansässigen Organisation namens »Students for a Free Tibet« (SFT), die laut ihrer Website eine Vielzahl an Protestaktionen während der Olympischen Spiele geplant und vorbereitet hat. Schon am Vorabend der Eröffnungszeremonie war es einem vierköpfigen SFT-Trupp gelungen, trotz massiver Präsenz von Polizei und Militäreinheiten in unmittelbarer Nähe des Stadions einen Lichtmast zu erklettern und auf 40 Meter Höhe ein Schriftbanner mit »Free Tibet «-Slogans zu entrollen. Bilder der Aktion, die ein bereitstehendes Team des US-Senders ABC filmte, gingen um die Welt und gaben die chinesischen Olympiaveranstalter, die mit »absolut sicheren Spielen« geworben hatten, der Lächerlichkeit preis. Die Organisation, die schon im Vorfeld der Spiele mit spektakulären Stunts auf sich aufmerksam gemacht hatte – unter anderem hatten SFT-Aktivisten ein 150 Meter langes Free- Tibet-Transparent an der Großen Chinesischen Mauer befestigt –, wird über das CIA-nahe »National Endowment for Democracy« finanziert, einer halbstaatlichen US-Organisation, aus deren Fonds dem Dalai Lama und seinen Propagandaeinrichtungen jährlich Millionenbeträge zufließen.
Alte Verbindungen
Die Verbindungen des Dalai Lama zu US-Geheimdiensten sind nicht neu. Schon Ende 1950, kurze Zeit, nachdem die Volksbefreiungsarmee den Yangtse überschritten und damit tibetisches Territorium betreten hatte, reiste der älteste Bruder des Dalai Lama, Thupten Jigme Norbu, Abt eines Großklosters im Osten des Landes, in die USA, um Präsident Truman um militärische Unterstützung zu bitten. Zugleich wurden Vorbereitungen getroffen, den Dalai Lama sowie die ranghöchsten Regierungsmitglieder in den Süden des Landes in Sicherheit zu bringen: bei Verschlechterung der Lage, so die Überlegung, sei es von dort aus ein Leichtes, über die Grenze nach Indien zu gelangen und um Asyl nachzusuchen. Kurze Zeit darauf, Anfang Januar 1951, wurden mehrere Karawanen mit Gepäck und großen Teilen des Staatsschatzes an den beabsichtigten Zufluchtsort nach Yatung, etwa fünfhundert Kilometer südlich von Lhasa, vorausgeschickt. Insgesamt hatte man nicht weniger als eineinhalbtausend Lasttiere bepackt. Der Dalai Lama sowie eine Entourage von mehr als zweihundert Beamten, Würdenträgern und Bediensteten folgten wenige Tage später. Zeitgleich wurde eine Delegation nach Peking entsandt, um Verhandlungen aufzunehmen. Diese führten letztlich zur Unterzeichnung des sogenannten Siebzehn- Punkte-Abkommens, das tiefgreifende soziale Reformen vorsah, die Funktionen und Befugnisse des Dalai Lama indes unverändert beizubehalten zusicherte. Auf Weisung seines Staatsorakels trat der Dalai Lama wenige Wochen nach Unterzeichnung des Abkommens den Rückweg nach Lhasa an, wo er am 17. August 1951 eintraf. Kurze Zeit danach, am 9. September 1951, marschierten die ersten rund 3 000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee in der tibetischen Hauptstadt ein. Am 24. Oktober 1951 sandte der Dalai Lama ein Telegramm an Mao Tse-tung, in dem er die Annahme des »Siebzehn- Punkte-Abkommens« offiziell bestätigte. Im Sommer 1954 brach er zusammen mit seiner Familie und einer Gefolgschaft von rund fünfhundert Beamten und Würdenträgern unter großem Pomp zu einem Besuch der Volksrepublik China auf. Während seines mehrmonatigen Aufenthaltes in Peking traf er mehrfach mit Premierminister Zhou Enlai und Mao Tse-tung zusammen, insgesamt dauerte seine China-Reise fast ein Jahr.
Chusi Gangdruk
Von der CIA trainiert: Kämpfer der Chusi Gangdruk posieren mit W
Von der CIA trainiert: Kämpfer der Chusi Gangdruk posieren mit Waffen (Aufnahme von 1968)
Foto: www.chushigangdruk.org
Während seiner Abwesenheit hatte sich das Klima in Lhasa erheblich gewandelt: Es wuchs die Sorge, daß die in anderen Landesteilen bereits begonnene Bodenreform, sprich: Enteignung und Umverteilung des Grundbesitzes von Klöstern und Adelsfamilien an ehemalige Sklaven, Leibeigene und unfreie Bauern in Kürze auch die Provinz Ü-Tsang mit der Hauptstadt erfassen werde. Mit Geldern aus Adel und hohem Klerus wurde eine schlagkräftige Untergrundorganisation begründet, die unter dem Namen Chusi Gangdruk in den folgenden Jahren einen weitverzweigten Guerillakampf gegen die Volksbefreiungsarmee und nachrückende chinesische Siedler führte. Thupten Jigme Norbu und Gyalo Thöndup, die beiden älteren Brüdern des Dalai Lama, stellten Kontakte zur CIA her, die den Untergrundkampf ab 1960 und bis Anfang der 1970er mit jährlich 1,7 Millionen US-Dollar aus einem eigens aufgelegten Sonderprogramm zur Finanzierung exiltibetischer Operationen gegen China förderte. Der Dalai Lama erhielt aus dem gleichen Fonds 186 000 US-Dollar pro Jahr zur persönlichen Verfügung. Nachdem er den Erhalt dieser Gelder und die Verbindung zur CIA jahrzehntelang abgestritten hatte, mußte er Ende der 1990er zugeben, gelogen zu haben. Ab 1958 wurde eine Gruppe von 400 Chusi- Gangdruk-Kämpfern in Camp Hale, einem Trainingszentrum der CIA in den Rocky Mountains, in Guerilla-Kriegsführung, sprich: im Durchführen gezielter Kommandoattacken, ausgebildet. Weitere Einheiten wurden vor Ort trainiert, im ehemaligen Königreich Lo (Upper Mustang), einer auf dem tibetischen Hochplateau gelegenen, politisch jedoch dem Staatsgebiet Nepals zugehörigen Bergregion im Nordwesten des Landes. Innerhalb kurzer Zeit wurde dort eine mehrere tausend Mann starke Truppe zusammengestellt, der es gelang, wie der Dalai Lama stolz vermeldete, den Chinesen »erheblichen Schaden zuzufügen«. Für jeden getöteten Tibeter seien fünf bis zehn Chinesen getötet worden, und manchmal sogar noch deutlich mehr. Die Bewaffnung der Chusi Gangdruk kam teils aus US-Beständen, teils hatte man modernes Gerät in Indien dazugekauft; ein nicht unwesentlicher Teil stammte aus Überfällen auf chinesische Garnisonen beziehungsweise auf ein tibetisches Militärdepot in Shigatse. Das Hauptquartier der Untergrundkämpfer in Lo bestand bis Anfang der 1970er Jahre. Im Herbst 1958 griffen Einheiten der Chusi Gangdruk eine größere Garnison der Volksbefreiungsarmee nahe Lhasa an: sie töteten mehr als 3 000 chinesische Soldaten und gelangten in den Besitz großer Mengen an Waffen und sonstigem Kriegsmaterial. In der Folge wuchs die Untergrundarmee innerhalb weniger Wochen auf mehr als 12 000 Kämpfer an. Kopf der Guerilla war Gyalo Thöndup, einer der Brüder des Dalai Lama. Im März 1959 rotteten sich in Lhasa an die 30 000 Menschen vor dem Sommerpalast des Dalai Lama zusammen, darunter die kompletten Mönchskonvente der örtlichen Großklöster Drepung, Sera und Ganden. Von den Anführern der Menge wurde eine Resolution verabschiedet, die das »Siebzehn-Punkte-Abkommen« für ungültig und im übrigen die chinesische Oberhoheit für beendet erklärte. Noch bevor die Truppen der Volksbefreiungsarmee eingriffen, machte sich der Dalai Lama, geplant und organisiert von der CIA, mit drei Dutzend seiner engsten Mitarbeiter und mehreren Familienmitgliedern aus dem Staub. Begleitet von rund dreihundertfünfzig Soldaten der tibetischen Armee und fünfzig teils CIA-trainierten Guerillakämpfern begab er sich in die Klosterfestung Lhüntse Dzong unweit der indischen Grenze. In einer eigenen Kundgebung erklärte auch er das »Siebzehn-Punkte-Abkommen« für ungültig. Eine Delegation indischer Regierungsbeamter nahm ihn an der Grenze in Empfang und begleitete ihn samt seinem Troß nach Bomdila. Von dort aus reiste er per Eisenbahn in das rund zweieinhalbtausend Kilometer westlich gelegene Mussoorie, wo er die folgenden Monate verbrachte. Tausende Tibeter verließen während dieser Zeit das Land und sammelten sich um ihn. Anfang 1960 wurde ihm von der indischen Regierung das ehemalige britische Sommerresort McLeodGanj nahe der Provinzhauptstadt Dharamsala im Bundesstaat Himashal Pradesh als Asyl zugewiesen.
Exil in Dharamsala
Finanziert wurde der Aufbau des »Exil-Regierungssitzes Seiner Heiligkeit « über großzügige Zuwendungen des indischen Staates sowie internationale Spendenaufkommen in Millionenhöhe. Hinzu kam, daß es sich bei den Mitexilanten, die sich um den Dalai Lama einfanden, durchwegs um Angehörige der tibetischen Oberschicht handelte: Feudalherren, Beamte und hochrangige Lamas. Vor ihrer Flucht hatten sie alles Verfügbare an Gold, Silber und sonstigen Wertgegenständen zusammengerafft und mitgenommen, so daß sie auch im Exil unter keinem Mangel litten. Die vielkolportierten Behauptungen des Dalai Lama, die meisten seiner Regierungsbeamten hätten unter erbärmlichen Bedingungen leben müssen, waren nichts als Mythos zur Ankurbelung des Spendenaufkommens. Auch er selbst verfügte über nicht unerhebliche Mittel, die aus Tibet herausgeschafft worden waren. Die mit Goldstaub und Silberbarren gefüllten Kisten aus den Schatzkammern des Potala, die anläßlich seiner ersten Flucht Anfang 1951 an die Grenze zum nordindischen Bundesstaat Sikkim geschafft worden waren, hatte man nie nach Lhasa zurückgebracht sondern vorausschauend dort deponiert. Das Edelmetall wurde nunmehr auf dem Devisenmarkt in Kalkutta verkauft, wo es den für die damalige Zeit ungeheuren Ertrag von rund acht Millionen US-Dollar – nach heutiger Kaufkraft etwa 55 Millionen US-Dollar -– erzielte. Der größte Teil des Geldes wurde von der exiltibetischen Regierung in dilettantisch aufgezogenen Projekten vergeudet. In Tibet ging der Terror der Chusi Gangdruk unvermindert weiter. Erst zehn Jahre später, als die USA in der Ära Nixon/Kissinger ihr Handelsinteresse an China entdeckte, wurde die Unterstützung des tibetischen Untergrundkampfes durch die CIA eingestellt. Daß der Dalai Lama dem bewaffneten Kampf der Chusi Gangdruk fast fünfzehn Jahre lang höchst wohlwollend zugesehen hatte, war schnell vergessen. Passagen aus seiner Autobiographie von 1964, in denen er den tibetischen Guerillakampf ausdrücklich gutgeheißen hatte, wurden in deren Neufassung von 1990 – inzwischen war er Friedensnobelpreisträger geworden – ersatzlos entfernt.
Friedensnobelpreis
Die Propaganda des Dalai Lama paßt gut ins Konzept der US-Eliten
Die Propaganda des Dalai Lama paßt gut ins Konzept der US-Eliten (hier mit US-Präsident George W. Bush anläßlich seiner Auszeichnung mit der Congressional Gold Medal in Washington, 17.10.2007)
Foto: AP
Es hätte sich nicht gut gemacht im Portfolio eines Laureaten, der sich nach Auffassung des Nobelkomitees »beim Kampf zur Befreiung Tibets konsequent der Anwendung von Gewalt widersetzt« habe, wenn dort von seiner Unterstützung des Chusi-Gangdruk-Terrors zu lesen gewesen wäre. Eine wesentliche Rolle in der propagandistischen Vorarbeit für die Preisverleihung an den Dalai Lama hatte im übrigen die seinerzeitige Bundestagsabgeordnete der Grünen Petra Kelly gespielt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Bundeswehrgeneral a. D. Gerd Bastian, hatte sie unermüdlich und mit streckenweise ans Pathologische grenzendem Fanatismus Öffentlichkeit für die »Sache Tibets« herzustellen versucht. Im April 1989 lud sie Politiker aus dem In- und Ausland zu einer überparteilichen Tibet-Anhörung nach Bonn, bei der tibetische Exilpolitiker sowie Vertreter von Amnesty International und Asia Watch über die aktuelle Lage auf dem »Dach der Welt« informieren sollten. Kurze Zeit später, nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz in Peking, war es dann soweit: Der Dalai Lama erhielt den Nobelpreis. Ausschlaggebend für seine Wahl war die Absicht, mit der Zuerkennung des Preises gerade an ihn der Unterdrückungspolitik Pekings eine demonstrative Absage zu erteilen. Es war damit der moralischen Pflicht, sich gegen die Barbarei der chinesischen Betonköpfe um Li Peng auszusprechen, umfänglich Genüge getan; die wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking konnten in der Folge umso ungehinderter weiter gepflegt werden. Das Preisgeld in Höhe von umgerechnet 1,1 Millionen Euro kam durchaus gelegen, auch die Preisgelder, die der Dalai Lama in den Folgejahren bei unzähligen Ehrungen rund um den Globus einsackte – Magsaysay-Award, Distinguished Peace Leadership Award, Leopold-Lucas-Preis, Congressional Gold Medal etc. pp. –, summierten sich letztlich zu Millionenbeträgen. Zu diesen trug – wenngleich mit 25 000 Euro eher Peanuts – auch der »Hessische Friedenspreis« bei, den Roland Koch seinem tibetischen Freund im Jahre 2005 überreichte. Für welches Verdienst, ist nicht bekannt. Auch aus anderen Töpfen fließen dem Dalai Lama und seiner »Exilregierung« seit je Gelder in Millionenhöhe zu; immerhin steht er auch auf der Payroll des US-Investmentbrokers und selbsternannten Philanthropen George Soros, der erfolgreich auch die Solidarnosc oder die Charta 77 finanziert hatte. Und nicht zuletzt fließen Ströme an Spendengeldern aus zahllosen Initiativgruppen, Vereinen und Fördergesellschaften nach Dharamsala.
Kontakte zur NED
Nach dem Ausstieg der CIA aus der Förderung des Dalai Lama übernahm ab Mitte der 1980er Jahre eine andere US-Organisation die Finanzierung dessen antichinesischer Aktivitäten: das sogenannte »National Endowment for Democracy « (NED). Begründet 1983 unter Ronald Reagan als »halbstaatlicher Arm der US-Außenpolitik «, soll das NED, so die offizielle Lesart, der Regierung bzw. dem State Department die indirekte Weitergabe von Mitteln aus dem USHaushaltsbudget an Nicht-US-Organisationen ermöglichen. Tatsächlich wurde das NED auf Veranlassung des seinerzeitigen CIA-Direktors William Casey eingerichtet, nachdem die CIA über eine Reihe aufgeflogener Wahlmanipulationen, Anschläge und Terroraktionen in Schräglage geraten war. Vieles von dem, was vor 30 Jahren von der CIA noch im Geheimen erledigt wurde, macht das NED heute ganz offiziell. Das NED bietet sozusagen die zivile Camouflage völkerrechtlich grenzwertiger oder völkerrechtswidriger Aktivitäten der US-Geheimdienste, es hatte überall da die Finger im Spiel – Nicaragua, Serbien, Georgien, Ukraine, Myanmar, Haiti, Bolivien usw. -–, wo es um gezielte Destabilisierung der jeweiligen politischen Verhältnisse im wirtschaftshegemonialen bzw. geostrategischen Interesse der USA ging; es spielte eine entscheidende Rolle in der 1986 aufgedeckten Iran-Contra-Affäre und nicht zuletzt auch in der Aufstachelung der Studentenproteste auf dem Tiananmen- Platz im Juni 1989. Seit je finanziert das NED auch die antichinesische Propaganda des Dalai Lama, insbesondere das Mitte der 1990er in Dharamsala begründete »Tibetan Centre for Human Rights and Democracy«, den militanten »Tibetan Youth Congress« sowie eine Vielzahl weiterer exiltibetischer Einrichtungen und Organe in aller Welt – darunter auch die in Washington DC ansässige »International Campaign for Tibet« samt den eingangs erwähnten »Students for a Free Tibet«. Anfang 2008 wurde mit ausdrücklicher Billigung des Dalai Lama in Dharamsala ein exiltibetischer Kampfverband gegründet – zusammengesetzt aus Mitgliedern des »Tibetan Youth Congress«, der »Students for a Free Tibet« und dreier weiterer NED-finanzierter Organisationen –, dessen Ziel, eigenen Angaben zufolge, darin besteht, »Chinas illegale und brutale Besetzung unseres Landes zu beenden «. Daß es dabei auch und in erster Linie um gewaltsame Aktionen gehen sollte, stand von vorneherein fest. Im Internet kursierten unmittelbar nach der offiziellen Gründung des als »Tibetan People’s Uprising Movement« ausgerufenen Kampfverbandes erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate. Die antichinesischen Demonstrationen und Ausschreitungen am Rande des olympischen Fackellaufs in Kathmandu, Neu- Delhi, San Francisco, New York, Marseille, Wien oder München waren nur die Vorboten der blutigen Straßenkämpfe und Pogrome, die im März 2008 in Lhasa und andernorts vom Zaune gebrochen wurden und letztlich mehr als 20 Todesopfer und Hunderte teils schwerst Verletzte forderten. Auch die Lichtmastenbesetzung der »Students for a Free Tibet« vor dem Olympiastadion in Peking oder das »Die-in« des David Demes gelten nur als Auftakt einer Reihe weiterer geplanter Protest-, Stör- und Sabotageakte während der Spiele. In den einschlägigen Foren wird entsprechend immer wieder auf die medienwirksame Aktion des tibetischen Mönchs Thubten Ngodup hingewiesen, der sich vor zehn Jahren in Neu- Delhi mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt hatte. Ngodup, der seinen Verbrennungen erlegen war, war Mitglied des »Tibetan Youth Congress« gewesen. Rund um den Globus findet Randale gegen Peking statt, begleitet jeweils von größtem Wohlwollen der bürgerlichen Medien. Den Chinesen, wie es in einem protibetischen Blog hieß, müssen ihre Olympischen Spiele auf jeden Fall verdorben werden. Jedes Mittel sei recht. Vor der chinesischen Botschaft in Ankara, so eine Meldung vom 8. August, soll sich ein Mann – vor laufenden Kameras selbstredend – aus Protest angezündet haben.
15.08.2008: Olympische Helden (Tageszeitung junge Welt)

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