Der US-Angriff auf Venezuela und Maduros Kidnapping lösen Abscheu und Wut aus. Nicht bei allen Staatsoberhäuptern und EU-Eliten. Einige leisten seit Jahren Beihilfe zum Regime Change in Venezuela – zuletzt mit dem Friedens-Nobel-Preis – und verbergen ihre Freude nur mühsam. Flugs basteln die Medien Narrative, um das offizielle Feindbild von EU und NATO zu bestärken. „Die Putinisierung der US-Außenpolitik ist in Venezuela angekommen“, titelt der britische „Guardian“. Frau Navidi meint auf NTV: Der Caracas-Angriff „war sicher mit Putin abgesprochen.“ (3.1.2025) Real gibt es keine Neuaufteilung der Welt durch rivalisierende Imperialismen wie vor 1914. Die „Weltunordnung“ geht heute vom absteigenden US-Imperialismus aus, der seine Macht mit Gewalt konsolidieren will.
Die neue US-Sicherheitsstrategie will eine Neuauflage der
Monroe-Doktrin (1823), wonach die „Western Hemisphere“ (Nord- und Lateinamerika,
Grönland) Hinterland der USA sei. Die europäischen Juniorpartner sollen mehr
Rüstungskosten tragen. Die USA wollen sich auf ihren Hauptkonkurrenten China konzentrieren.
Mit Russland wollen die USA stabile Beziehungen. Im Vergleich zur
Neocon-Strategie, die während des unipolaren Moments (1991-2008) in der
US-Außenpolitik dominant wurde, wollen die USA nicht mehr überall „liberale
Demokratien“ einführen, sondern die Zersplitterung ihrer Kräfte vermeiden. Das
zeugt von mehr Realismus, ist aber auch eine Drohung für die Völker der
„Western Hemisphere“.
Ende 2025 enthüllte die New York Times, die CIA habe, parallel
zu den laufenden Gesprächen über Frieden in der Ukraine, insgeheim Kiew geholfen,
den „Energiekrieg“ gegen Raffinerien und Öl Depots in Russland zu eskalieren. Die
CIA lieferte auch Zielvorgaben für Angriffe der ukrainischen Armee auf
russische Handelsschiffe im Schwarzen Meer, im Mittelmeer und vor der Küste
Westafrikas. Trump gab CIA-Direktor Ratcliffe grünes Licht. Drohnenangriffe auf
Putins Residenz in Valdai stritt Ratcliffe ab, gab aber den Beschuss „militärischer
Ziele“ in der Gegend zu. Der NYT-Artikel erklärt die Doppelgleisigkeit von
Trumps Ukrainepolitik mit einer Spaltung in der US-Administration und im
Pentagon.
Eine Gruppe um Ratcliffe und den bisherigen
Ukraine-Sonderbeauftragten General Kellogg verlange mehr Druck auf Russland und
mehr Waffen für die Ukraine. Die Knappheit in den US-Waffenarsenalen setzt den
Wünschen der Kriegsverlängerer Grenzen wie auch die Kontraproduktivität der meisten
Sanktionen. Die zweite Gruppe um Vizepräsident Vance wolle möglichst schnell
aus dem Ukrainekrieg aussteigen, um sich auf Asien zu konzentrieren. Beide
Gruppen kommen in Trumps Außenpolitik abwechselnd zum Zuge. Schlechte Umfragen
und der Wahlkampf für die US-Halbzeitwahlen 2026 werden Trumps
Unberechenbarkeit steigern.
Der Militäranalytiker Brian Berletic warnt vor Illusionen über
die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse: Die USA seien „immer noch die größte
Bedrohung auf dem Planeten“ und der Kampf zwischen US-Hegemonie und „Multipolarismus“
sei längst nicht entschieden. Venezuelas Verbündete Russland, China, Iran seien
durch ihre eigene Verteidigung absorbiert und nicht fähig, Venezuela zu helfen.
Berletic zufolge wird sich die Lage noch verschlimmern, bevor die multipolare
Welt stark genug werde, die USA einzuhegen. Soweit es die militärischen
Kräfteverhältnisse betrifft, ist das wohl so. Keine Macht außer den USA verfügt
über fast 1000 Militärstützpunkte. Auf ökonomischem Feld können sich China und
Russland durchaus behaupten.
Zentral sind letztlich die inneren Kräfteverhältnisse in
jedem einzelnen Land. Sozialer Fortschritt entsteht nur im Klassenkampf gegen
die „eigenen“ Milliardäre, Oligarchen und Kompradoren. Würde sich in Venezuela
ein Marionettenregime Trumps etablieren, wäre das national wie international
eine bittere Niederlage.

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