Vor den Zwischenwahlen 2026 verkauft Trump das Kidnapping Maduros und die Belagerung Kubas als spektakuläre Erfolge. Ein weiteres in den USA seit Jahrzehnten aufgebautes Feindbild ist das Regime des Iran. Die Aggression gegen den Iran sollte Trumps chauvinistische „Erfolgsserie“ fortschreiben. Alle „Feinde“, die er jagt, sind Exponenten von Ländern, die – trotz Sanktionen – ihre Souveränität gegen neokoloniale Ausbeutung und Bevormundung verteidigen. Rubio hatte bereits auf der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Beifall der „Europäer“ die reaktionäre Utopie einer Rekolonialisierung des Globalen Südens verkündet.
Trump hat schlechte Umfragewerte.
Teile der MAGA-Bewegung bröckeln weg. Chauvinismus soll Fehlschläge der
Zollpolitik, Proteste gegen ICE, die Epstein-Akten an den Rand drängen. Der Angriff
auf den Iran kann allerdings nach hinten losgehen! Als Ziel werden abwechselnd
die Verhinderung iranischer Atomwaffen, ein Regimewechsel, die Kontrolle des Ölhandels
genannt. Experten zufolge geht es aktuell um Regime-Change. Die Atomverhandlungen
waren vorgetäuscht. Geplant war ein Blitzkrieg: zuerst 3-Tage lang, dann 4
Wochen, mittlerweile ist von „bis zu 100 Tagen“ die Rede. Die Mehrheit der
US-Bürger ist gegen den Krieg.
Das US-Kalkül, ein schneller
„Enthauptungsschlag“ führe zum Kollaps des Regimes in Teheran, ist gescheitert.
Der Iran reagierte ohne Zögern mit Raketen auf Israel und auf US-Einrichtungen
in den Golfstaaten. Er sperrte die Straße von Hormuz. Einen langen Krieg,
womöglich mit Bodentruppen, können sich die USA aus zwei Gründen nicht leisten:
Erstens, reichen dafür die Waffenvorräte nicht; zweitens, sind die weltwirtschaftlichen
Folgen einer längeren Sperrung der Straße von Hormuz nahezu unkontrollierbar. Der
Iran wiederum hat sich darauf vorbereitet, lange durchzuhalten, um die Kosten
für die USA und Israel mit einem Abnutzungskrieg so hochzutreiben, dass sie
künftige Angriffe auf den Iran unterlassen.
Seit Beginn des US-israelischen
Angriffs thematisieren die großen US-Zeitungen den Mangel an Luftabwehrraketen
und Munition. Trump und Hegseth bluffen mit „unbegrenzten“ Waffenvorräten, während
Trump zugleich die Rüstungsindustriellen zu Produktionssteigerungen drängt. Laut
CBS fordern die Golfstaaten mehr Abfangraketen. Die Bestände seien „gefährlich
niedrig“ (5.3.2026). Die Ukraine klagt über chronischen Mangel an
Luftabwehrraketen, der sich weiter verschärft. Schon vor dem neuen Krieg waren
die USA mit 900 Stützpunkten überdehnt.
Je länger der Krieg dauert, desto
übler auch die ökonomischen Folgen. Zuerst für die Golfstaaten: 20 Prozent des
Weltölhandels gehen durch die Straße von Hormuz. Die produzierten Mengen an Öl,
Gas, Dünger, etc. fließen nicht mehr ab und Konsumgüter kommen nicht mehr in
die Golfstaaten hinein. Sind die Öl-Lagerstätten voll, muss die Förderung
aussetzen. Die Wiederinbetriebnahme kann Monate dauern. Nach Kriegsbeginn begann
ein steiler weltweiter Anstieg der Öl- und Gaspreise. Produktion und
Lebenshaltungskosten werden teurer. Bei langer Dauer drohen Rationierungen sowie
Pleiten von Firmen, Versicherungen, Fonds und Banken. Manche Analysten fürchten
eine Krise schlimmer als die Ölkrise 1973.
Wieder einmal gehen Krieg, Krisen,
Willkür und Destabilisierung von der absteigenden Hegemonialmacht des Westens,
den USA aus, diesmal im Bündnis mit ihrem Juniorpartner, dem israelischen Apartheidsstaat.
Auf X beschönigte Bundeskanzler Merz Trumps Angriff am 3. März als Kampf „für Sicherheit
und Gerechtigkeit im Nahen Osten“. Die VR China und Russland dagegen treten der
Aggression entgegen und helfen dem Iran, sich selbst zu verteidigen. Indem sie ihre
eigene Resilienz und die der BRICS-Verbündeten stärken, tragen sie am effektivsten
dazu bei, dem Wüten des absteigenden Hegemon Grenzen zu setzen.
Von Beate Landefeld, zuerst erschienen in der UZ vom 13. März 2026

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