Am 1. Mai strömten Kubaner in Massen auf die Straßen. Mit ihrer Regierung demonstrierten sie den Willen, die Souveränität des Landes zu verteidigen. Am Tag danach verhängte Trump neue brutale Sanktionen gegen Kuba. Während sich nur noch wenige intakte Flugzeugträger im Golf von Oman über Wasser halten, prahlte Trump im US-TV vor johlendem Publikum: „Auf dem Rückweg vom Iran werden wir mit der USS Abraham Lincoln hundert Yards vor Kubas Küste aufkreuzen und sie werden sagen: ‚Danke. Wir ergeben uns!‘“
Monate vor den Zwischenwahlen 2026 hat Trumps Show Hochkonjunktur. Der Mix aus Aggressivität, Skrupellosigkeit und Zynismus, mit Attacken ohne Pause an vielen Orten soll Gegner erschrecken und Bewunderer mobilisieren. Die Show simuliert „Überlegenheit“, „Offensive“, eine „Führungsrolle“, Qualitäten, die die USA nicht mehr besitzen. Real hat die absteigende Hegemonialmacht längst nicht mehr „alle Karten in der Hand“, wie Trump zu sagen pflegt. Sie muss Kompromisse mit anderen „Playern“ suchen. Die Selbstüberschätzung der US-Eliten wird die Welt noch eine Weile in Angst und Schrecken halten. Den Niedergang der USA kann sie nur beschleunigen.
Zum Beispiel Panama. Bei der Inauguration versprach Trump die
„Übernahme des Panamakanals“. Er zwang Panamas Regierung, u.a., indem er die
militärische Option androhte, das Management zweier Hafenterminals durch die
chinesische Firma CK Hutchison vertragswidrig zu beenden und 2026 an die westlichen
Reedereien Maersk und MSC zu übertragen. China reagiert nun mit der Sperrung
seiner Häfen für alle Schifffahrtsunternehmen, die die beiden Terminals nutzen.
Von Maersk und MSC fordert die VR, den Betrieb der Terminals einzustellen. Der US-Journalist
Ryan Grim interpretiert Trumps „Panama-Erfolg“ auf X (30.4.2026) als prototypisch:
„So wird die amerikanische Außenpolitik der nächsten Zeit
aussehen: Wir unternehmen irgendeine aggressive unilaterale Aktion gegen
jemanden und geben uns schockiert (vielleicht sind wir es), wenn sie reagieren
und uns in eine schlechtere Lage versetzen als zuvor. Diesen Prozess
wiederholen wir, bis wir uns genügend militärisch und ökonomisch entwaffnet
haben. Ein Szenario, auf das wir eilig zusteuern.“
Angemaßte Vorherrschaft, die keine reale Basis mehr hat,
prägt auch die Reaktion Washingtons auf den (vorhergesagten) Fehlschlag der
US-/israelischen Aggression gegen Iran. Obwohl laut Umfragen 61 Prozent der
US-Bevölkerung den Angriff für einen „Fehler“ halten, feiern Trump und Hegseth
die Niederlage stur als „Sieg“ und tun so, als könne Trump die Bedingungen zur Beendigung
des Kriegs diktieren. Währenddessen zeigt CNN Bilder von 16 zerstörten US-Basen,
äußern Ex-Militärs Besorgnis über geleerte Waffenlager und berichtet die
Financial Times, Waffenlieferungen nach Europa und in die Ukraine würden sich
verzögern.
Kuba wird seit 60 Jahren mit US-Sanktionen traktiert. Der
Iran musste 47 Jahre unter Sanktionen leben. Die exzessiven Russland-Sanktionen
seit 2022 beschleunigten auf breiter Front die Entwicklung von Finanz- und
Logistikinstrumenten, die auf westliche Strukturen nicht angewiesen sind. 2025
wurden 99,1 Prozent des russisch-chinesischen Handels in Rubel und Yuan
abgewickelt. China ist heute für 120 Länder der wichtigste Handelspartner. Am
2. Mai 2026 reagierte China auf US-Sanktionen gegen chinesische Raffinerien,
die iranisches Öl importieren und verarbeiten, erstmals mit dem Verbot, die exterritorialen
Sanktionen „anzuerkennen“, „in Kraft zu setzen“ oder „einzuhalten“. Wer es tut,
verstößt gegen chinesisches Recht.
Ob die globalen Kräfteverschiebungen an der ökonomischen
Basis ausreichen, dem US-Sanktionsregime mit dieser Kraftprobe einen Schlag zu
versetzen, von dem es sich nicht wieder erholt, werden die nächsten Wochen und
Monate zeigen.
Die Kolumne von Beate Landefeld erschien zuerst in Unsere Zeit vom 8. Mai 2026

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