Freitag, 16. Oktober 2026

Was wurde aus Kiews „Drohnenoffensive“? Russische Vergeltungsschläge ruinieren ukrainische Wirtschaft

 Das Narrativ der NATO-Medien im Frühjahr 2026 war, Kiew könne mit „Drohnenschwärmen tief in russisches Gebiet“ Putin in die Knie zwingen, um dann Moskau die Bedingungen für eine Waffenpause zu diktieren. Selenskyjs Infrastrukturkrieg könne idealerweise einen „Moskauer Maidan“ auslösen. Brände russischer Ölraffinerien und Warenhäuser sollten die nötige Unzufriedenheit schüren. Dieses Narrativ verschwand im Juli in der Versenkung. Kiews „digitaler“ Verteidigungsminister Fedorov gab im Konflikt mit Armee-Oberbefehlshaber Syrsky sein Amt ab. Demonstrationen der EU/USA gesponserten NGO-Szene (ukrainisch: „Sorositen“) forderten Fedorovs Wiedereinstellung, woraufhin Selenskyj auch Syrsky feuerte.

Der Moskauer Maidan blieb aus. Russische „kombinierte“ Drohnen-, Bomben- und Missile-Schläge gegen die Infrastruktur der Ukraine setzten ein. Kiew ist Missiles und Jet-Drohnen mangels Abwehr-Raketen nahezu hilflos ausgeliefert. Die NATO-Bestände an Patriots wurden, bis auf den Eigenbedarf, im Ukraine- und Irankrieg verpulvert. Nun klagt Selenskyj, Europa und die Welt seien im Urlaub, während die Ukraine beschossen werde. Boris Davidenko, Chefredakteur von Forbes Ukraine, schimpft, Kiew habe die Unternehmer nicht vor seiner Angriffskampagne gewarnt, ihnen keine Zeit zur Vorbereitung auf Moskaus Vergeltung gegeben. Zwei Monate nach Beginn der Angriffe auf Wildberries habe Russland etwa so viele Lagerhäuser in der Ukraine zerstört wie seit dem 24. Februar 2022.

Die russische Armee attackiert Industrie und Logistik: Fabriken, Tankstellen, Lokomotiven und Häfen der Ukraine. Der Hafen von Odessa ist faktisch blockiert. Exporte und Steuereinnahmen sind eingebrochen. „Selenskyjs Eskalations-Abenteuer wird die Ukraine schwer schädigen,“ schreibt der ukrainische Telegram-Kanal Resident. „Das Land verwandelt sich nach und nach in Ruinen, während ein weiteres Lagerhaus in Kiew brennt.“ (27.8.2026) Über die Zerstörung der Ukraine berichten die NATO-Medien merkwürdig verhalten. Noch vor Kurzem waren sie von jedem brennenden russischen Wildberries-Lager lauthals begeistert. Befangen im Wunschdenken und in Fehleinschätzungen, setzten sie auf die Eskalation, ohne Russlands Fähigkeit zu weit größeren Gegenschlägen zu bedenken.

Inzwischen wurde Fedorov Berater einiger europäischer Regierungen. Mit Palantir-Chef Alex Kharg als Partner gründete er eine neue Rüstungsfirma. Die Anti-Korruptionsbehörden der Ukraine ermitteln gegen Angehörige des Präsidentenbüros und des Büros des Generalstaatsanwalts, den Selenskyj ernennt. Bewaffnete des Inlands-Geheimdienstes SBU (Selenskyj-Nähe) und des Militärgeheimdienstes GUR (Budanow-Nähe) lieferten sich Anfang September in Kiew einen Schusswechsel. Tags darauf zerstörte eine Drohne das SBU-Hauptquartier. “Waren das die Russen? Oder der GUR?” Es wird wild spekuliert. Moralzerfall, Machtkämpfe in der banderistischen Führungsclique sind nicht zu übersehen.

An der Front umzingelt die russische Armee die letzten großen Festungen im Donbass Slavyansk und Kramatorsk. Sie rückt der Großstadt Saporischja näher. Sie erweitert die Pufferzone an der Nordgrenze der Ukraine. Die Lücken in der Front werden größer. Vielerorts sind ukrainische Truppenteile eingeschlossen. Die Ukrainer können den russischen Vormarsch verzögern, aber nicht mehr aufhalten.

Deshalb häufen sich jetzt die Besuche westlicher Emissäre in Moskau. Vom CIA-Chef über den Gesandten des Vatikan bis zu Trumps Boten Witkoff und Kushner. Alle wollen dasselbe: Stop des russischen Vormarschs und eine Waffenpause, damit die ukrainische Armee sich erholen kann. Die Russen bleiben bei ihrer Forderung nach einer Lösung, die die Wurzeln des Konflikts angeht.

Die Kolumne von Beate Landefeld erschien zuerst in Unsere Zeit vom 11.9.2026

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