Freitag, 10. März 2017
Die Leistung und ihre Ver(sch)wendung
2016
exportierte Deutschland Waren im Wert von 1.207,5 Milliarden Euro und
importierte für 954,6 Milliarden. Es kam zum bisher höchsten
Exportüberschuss von 252,9 Milliarden. Exportüberschüsse sind das
Geschäftsmodell der deutschen Bourgeoisie. Bei fast allen
Abnehmerländern, wie den USA, Frankreich und Großbritannien, häufen
sich Defizite und Schulden an. Das schafft Unmut. Trumps
Wirtschaftsberater Navarro warf Deutschland in der Financial
Times vor, mit einem zu schwachen
Euro andere Länder auszubeuten. Die EU-Kommission forderte,
Deutschland solle mit höheren Löhnen und Renten, mit mehr
öffentlichen Investitionen zum Abbau der Ungleichgewichte in
Eurozone und Weltwirtschaft beitragen.
Freitag, 10. Februar 2017
Der Schau-mir-in-die-Augen-Vorschuss
Noch vor Kurzem
lobten die Spitzen der Großen Koalition sich selbst und den Zustand des von
ihnen regierten Landes überschwänglich: Die Wirtschaft sei am Brummen, die
Arbeitslosigkeit niedrig wie jahrzehntelang nicht, Steuertöpfe und Sozialkassen
gefüllt und all das ohne Neuschulden. „Noch nie ging es uns so gut wie heute“,
prahlten sie. Das war eine Beschönigung, die über die prekäre Lage eines Großteils
der hiesigen Lohnabhängigen hinwegsah und sich über das Elend, das Berlins
Austeritätsdiktate in Südeuropa hinterlassen haben, ausschwieg.
Nach dem
Brexit-Votum und der Trump-Wahl räumte die smarte Kriegsministerin Ursula von
der Leyen in einer Talkshow ein, dass „die Globalisierung“ nicht nur Gewinner
kenne. Es gebe „Globalisierungsverlierer“, die für die „einfachen Lösungen“ der
„Populisten von rechts und links“ anfällig seien. Die „Lösungen“ der
Herrschenden sind nicht „einfach“, sondern „komplex“, aber trotzdem ziemlich
durchsichtig. Sie preisen mit schöner Regelmäßigkeit die Agenda 2010, die neoliberale
Deregulierung, die Privatisierung, die Prekarisierung als „Reformen“, die „Deutschland“
stark gemacht hätten. In der Realität haben kapitalistische Ausbeutung und neoliberale
Umverteilung von unten nach oben die Reichen reicher und die Armen zahlreicher
gemacht. Die untere Mittelschicht fühlt sich vom Abstieg bedroht.
Donnerstag, 8. Dezember 2016
Freie Wahlen
Der Teletext bei ARD und ZDF unterlegt aktuelle
Meldungen mit Hintergrundwissen. Am 26. November bot der ZDF-Teletext
aus Anlass des Todes von Fidel Castro ein Kurzporträt des
Revolutionsführers. Es stellte die politischen Höhepunkte in
Castros Leben halbwegs sachlich dar. Ein schlaffer Versuch, das
Andenken an den kommunistischen Staatsmann zu vermiesen, fand sich am
Ende des Porträts: „Trotz der versuchten Invasion von Exilkubanern
und Attentatsversuchen blieb er an der Macht. Demokratischen Wahlen
stellte er sich nie.“ Hätte der Teletext-Autor nach „Wahlen in
Kuba“ gegoogelt, hätte er bei Wikipedia dies gefunden: „Die
Parlamentswahl in Kuba 2013 fand am 3. Februar statt. 8,4 Millionen
Wahlberechtigte konnten 612 Mitglieder der Nationalversammlung sowie
1269 Delegierte auf Provinzebene bestimmen. Fidel Castro und sein
Bruder Raoul gehörten zu den Kandidaten.“ Zwei Sätze später
behauptet aber auch Wikipedia: „Da Kuba ein Einparteiensystem ist,
welches von der Kommunistischen Partei beherrscht wird, gilt die Wahl
als unfrei.“ Mit „gilt“ erhält die Interpretation der Medien,
die bei uns dominieren, ihre Affirmation.
Montag, 5. Dezember 2016
Dienstag, 21. Juni 2016
Montag, 13. Juli 2015
Zur Griechenland-Vereinbarung der Eurozone vom 13.7.2015 in Brüssel
Obwohl sie einst angetreten war, um einen wirklichen Schuldenschnitt durchzusetzen und künftig ohne "Hilfspakete" auszukommen, hat die Syriza-geführte Regierung Griechenlands sich eine Erhöhung der Verschuldung Griechenlands um weitere 80 Milliarden Euro, von jetzt 320 Mrd. auf 400 Mrd. aufs Auge drücken lassen, begleitet von einem verschärften Kürzungs- und Privatisierungsprogramm.
Weichgeklopft wurde sie durch den von Seiten der EZB praktizierten schleichenden und angedrohten völligen Entzug der Liquidität für das griechische Bankensystem und die damit verbundene Drosselung und das Abwürgen der griechischen Wirtschaft.
Den Ausweg eines selbst kontrollierten Grexit und einer einseitigen Aufkündigung der Schuldzahlungen hatte sich die Regierung mit ihrem Schwur, im Euro zu bleiben, selbst versperrt.
Durch das am 13. Juli 2015 vereinbarte Brüsseler Abkommen würde sich Griechenland - so es denn ratifiziert würde - für viele Generationen zu einem Objekt der nun noch gewachsenen Erpressungspotentiale der Gläubiger, allen voran des BRD-Imperialismus, machen.
Die Ursachen der Krise werden dadurch weder gelöst noch im geringsten abgemildert. Das gewünschte "Licht am Ende des Tunnels" ist weiter entfernt als je zuvor. Lediglich Zeit wurde gewonnen.
Staatsbankrott und "Grexit" werden allerdings auch künftig in regelmäßigen Abständen auf die Tagesordnung zurückkehren.
Es ist zu hoffen, dass die linken Kräfte in Griechenland, die gewonnene Atempause jetzt nutzen, um die Mehrheit der Bevölkerung von der Notwendigkeit einer einseitigen Aufkündigung der Schulden und eines von ihnen selbst kontrollierten Grexit zu überzeugen und diesen vorzubereiten.
Ein anderer Ausweg ist nicht erkennbar.
Der Grexit wird früher oder später kommen. Die Frage ist nur noch, wer den Prozess kontrolliert. Das sollten möglichst nicht die Gläubiger sein.
Weichgeklopft wurde sie durch den von Seiten der EZB praktizierten schleichenden und angedrohten völligen Entzug der Liquidität für das griechische Bankensystem und die damit verbundene Drosselung und das Abwürgen der griechischen Wirtschaft.
Den Ausweg eines selbst kontrollierten Grexit und einer einseitigen Aufkündigung der Schuldzahlungen hatte sich die Regierung mit ihrem Schwur, im Euro zu bleiben, selbst versperrt.
Durch das am 13. Juli 2015 vereinbarte Brüsseler Abkommen würde sich Griechenland - so es denn ratifiziert würde - für viele Generationen zu einem Objekt der nun noch gewachsenen Erpressungspotentiale der Gläubiger, allen voran des BRD-Imperialismus, machen.
Die Ursachen der Krise werden dadurch weder gelöst noch im geringsten abgemildert. Das gewünschte "Licht am Ende des Tunnels" ist weiter entfernt als je zuvor. Lediglich Zeit wurde gewonnen.
Staatsbankrott und "Grexit" werden allerdings auch künftig in regelmäßigen Abständen auf die Tagesordnung zurückkehren.
Es ist zu hoffen, dass die linken Kräfte in Griechenland, die gewonnene Atempause jetzt nutzen, um die Mehrheit der Bevölkerung von der Notwendigkeit einer einseitigen Aufkündigung der Schulden und eines von ihnen selbst kontrollierten Grexit zu überzeugen und diesen vorzubereiten.
Ein anderer Ausweg ist nicht erkennbar.
Der Grexit wird früher oder später kommen. Die Frage ist nur noch, wer den Prozess kontrolliert. Das sollten möglichst nicht die Gläubiger sein.
Montag, 6. Oktober 2014
Lenin zur demokratischen und sozialistischen Etappe der russischen Revolution
Auszüge aus seinen Werken vor und nach der Oktoberrevolution
1. Was tun? 1903 (LW5)
Wir
haben gesagt, dass ein Sozialdemokrat, der nicht nur in Worten für
die Notwendigkeit einer allseitigen Entwicklung des politischen
Bewusstseins des Proletariats eintritt, „in alle Klassen der
Bevölkerung gehen“ muss. Es entstehen die Fragen: Wie ist das zu
machen? Haben wir die Kräfte dazu? Ist der Boden für eine solche
Arbeit in allen übrigen Klassen vorhanden? Wird das nicht eine
Preisgabe des Klassenstandpunkts bedeuten oder zu einer Preisgabe des
Klassenstandpunkts führen? […] Wir
haben weder ein Parlament noch Versammlungsfreiheit, aber wir
verstehen es dennoch, Versammlungen von Arbeitern zu veranstalten,
die einen Sozialdemokraten
hören
wollen. Wir müssen es auch verstehen, Versammlungen von Vertretern
aller Bevölkerungsklassen zu veranstalten, die nur einen Demokraten
hören
wollen.
Samstag, 22. Februar 2014
Meinungsstreit und Handlungseinheit - geht beides?
Beate Landefeld
Eure Einladung
verdanke ich dem Nachdruck meines Artikels zum Thema
„Meinungspluralismus und Kommunistische Partei“ aus den
Marxistischen Blättern 1989. Die darin behandelten Probleme
existieren in modifizierter Form auch heute.
Freitag, 27. September 2013
Ist die AfD für die CDU/CSU eine Partnerin in Reserve?
Interview mit der Webseite news.dkp.de
Wir haben Beate Landefeld, Mitherausgeberin der Marxistischen Blätter, zu ihrer Einschätzung der Alternative für Deutschland befragt.
news.dkp.de: Die AfD wurde bei der Bundestagswahl so stark wie die FDP. In bürgerlichen Medien wird die AfD meist als eine Partei von Ökonomieprofessoren und verstaubten Euroskeptikern charakterisiert. Welche Interessen stecken hinter dieser Partei?
Beate Landefeld: In der Tat haben sich dieser erst vor Kurzem gegründeten Partei zahlreiche neoliberale Ökonomen angeschlossen und noch mehr sympathisieren mit ihr. Hauptthema der AfD ist die praktische Aushebelung des „Stabilitätspakts“ durch die Banken- und Eurorettungspolitik der EU. Da der „Stabilitätspakt“ für die deutsche Bourgeoisie seinerzeit die Geschäftsgrundlage für ihre Zustimmung zum Euro war, brechen zum Teil alte Vorbehalte gegen den Euro wieder auf, zum Teil geht der Glaube an die Vereinbarkeit des Euro mit der „Stabilitätspolitik“ verloren.
Die „Stabilitätspolitik“ ist aber Teil des Geschäftsmodells der exportabhängigen BRD-Wirtschaft.
Wir haben Beate Landefeld, Mitherausgeberin der Marxistischen Blätter, zu ihrer Einschätzung der Alternative für Deutschland befragt.
news.dkp.de: Die AfD wurde bei der Bundestagswahl so stark wie die FDP. In bürgerlichen Medien wird die AfD meist als eine Partei von Ökonomieprofessoren und verstaubten Euroskeptikern charakterisiert. Welche Interessen stecken hinter dieser Partei?
Beate Landefeld: In der Tat haben sich dieser erst vor Kurzem gegründeten Partei zahlreiche neoliberale Ökonomen angeschlossen und noch mehr sympathisieren mit ihr. Hauptthema der AfD ist die praktische Aushebelung des „Stabilitätspakts“ durch die Banken- und Eurorettungspolitik der EU. Da der „Stabilitätspakt“ für die deutsche Bourgeoisie seinerzeit die Geschäftsgrundlage für ihre Zustimmung zum Euro war, brechen zum Teil alte Vorbehalte gegen den Euro wieder auf, zum Teil geht der Glaube an die Vereinbarkeit des Euro mit der „Stabilitätspolitik“ verloren.
Die „Stabilitätspolitik“ ist aber Teil des Geschäftsmodells der exportabhängigen BRD-Wirtschaft.
Montag, 9. September 2013
Handelt es sich in Syrien um eine Falle?
Fast nicht zu glauben!
In einem wichtigen Artikel in der Freitagausgabe der New York Times widmet sich die Jerusalem Korrespondentin Judi Rudoren in ungewöhnlich offener Weise den israelischen Beweggründen. In dem Artikel »Israel Backs Limited Strike Against Syria« (Israel unterstützt begrenzten Militärschlag gegen Syrien) berichtet sie, daß die Israelis etwas weniger hörbar argumentieren, daß kein Ergebnis das beste Ergebnis des zweieinhalbjährigen syrischen Bürgerkriegs wäre, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
Rudoren fährt fort: »So schrecklich er – unter humanitären Gesichtpunkten – auch sein mag, für Jerusalem ist der Status quo besser als ein Sieg der Assad-Regierung und seiner iranischen Unterstützer oder die Stärkung der Rebellengruppen, die zunehmend von den sunnitischen Dschihadisten dominiert werden. ›Dies ist ein Entscheidungsspiel, in dem beide Teams verlieren sollten, oder zumindest, in dem keines gewinnen sollte – wir würden uns mit einem Unentschieden zufriedengeben‹, sagte Alon Pinkas, der ehemalige israelische Generalkonsul in New York. ›Beide sollten bluten, sich zu Tode bluten: das entspricht dem strategischen Denken hier. Solange es so weitergeht, geht von Syrien keine wirkliche Gefahr aus.‹«
Quelle: Junge Welt 10.9.2013 Link zum Memorandum
Memorandum an Präsident Barack Obama von zwölf ehemaligen Angehörigen der US Streitkräfte und verschiedener US Geheimdienste, Vertreter/innen der Organisation Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)
Auszug:In einem wichtigen Artikel in der Freitagausgabe der New York Times widmet sich die Jerusalem Korrespondentin Judi Rudoren in ungewöhnlich offener Weise den israelischen Beweggründen. In dem Artikel »Israel Backs Limited Strike Against Syria« (Israel unterstützt begrenzten Militärschlag gegen Syrien) berichtet sie, daß die Israelis etwas weniger hörbar argumentieren, daß kein Ergebnis das beste Ergebnis des zweieinhalbjährigen syrischen Bürgerkriegs wäre, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
Rudoren fährt fort: »So schrecklich er – unter humanitären Gesichtpunkten – auch sein mag, für Jerusalem ist der Status quo besser als ein Sieg der Assad-Regierung und seiner iranischen Unterstützer oder die Stärkung der Rebellengruppen, die zunehmend von den sunnitischen Dschihadisten dominiert werden. ›Dies ist ein Entscheidungsspiel, in dem beide Teams verlieren sollten, oder zumindest, in dem keines gewinnen sollte – wir würden uns mit einem Unentschieden zufriedengeben‹, sagte Alon Pinkas, der ehemalige israelische Generalkonsul in New York. ›Beide sollten bluten, sich zu Tode bluten: das entspricht dem strategischen Denken hier. Solange es so weitergeht, geht von Syrien keine wirkliche Gefahr aus.‹«
Quelle: Junge Welt 10.9.2013 Link zum Memorandum
Mittwoch, 28. August 2013
Montag, 26. August 2013
Rebellen in Syrien setzen chemische Kampfstoffe ein - 25.8.13
Auffällig ist, mit welcher aggressiven Entschiedenheit vor allem die
Regierungen Frankreichs, Großbritanniens, der USA, Israels und der
Türkei noch vor Beginn der UN-Untersuchung behaupten, »das Regime« stehe
bereits als Schuldiger für den Giftgaseinsatz fest. Vorbei scheinen die
Zeiten, als westliche Politiker mit viel Aufwand gefälschte Beweise
produzieren ließen, die sie dann der Öffentlichkeit treuherzig
vortrugen, wie zuletzt vor dem Beginn des Überfalls auf den Irak im
Frühjahr 2003. Jetzt bestimmen Sprachbausteine wie »glasklar«,
»zweifellos«, »offensichtlich« und »alles spricht dafür« die
Rechtfertigung des geplanten Angriffskrieges. Die Logik liegt auf der
Hand: Wer gar nicht erst vorgibt, tatsächlich etwas beweisen zu können,
kann nachträglich nicht beim Fälschen und Lügen erwischt werden. (Knut Mellenthin in Junge Welt 27.8.2013)
Montag, 27. Mai 2013
Die linke Euro-Diskussion ist in Gang gekommen
In Zypern fordert die größte Oppositionspartei AKEL ein Referendum über den Austritt aus dem Euro. Zuvor hatten die Ökonomen Heiner Flassbeck und Costa Lapavitsas eine Studie für ein Ausstiegsszenario aus dem Euro vorgelegt.
Damit wurde auch in der Linken der BRD eine Diskussion über den Euro ausgelöst, die mit Sicherheit weiter anhalten wird.
Einige Beiträge aus dieser wichtigen Diskussion sollen im folgenden verlinkt werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Damit wurde auch in der Linken der BRD eine Diskussion über den Euro ausgelöst, die mit Sicherheit weiter anhalten wird.
Einige Beiträge aus dieser wichtigen Diskussion sollen im folgenden verlinkt werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Sonntag, 9. Dezember 2012
Zur kommunistischen Parteikonzeption
A) Zunächst einiges zum Zustand der kommunistischen Bewegung:
Es gibt sie noch, punktuell hat sie auch Erfolge, aber insgesamt hat sie sich noch nicht von der historischen Niederlage von 1989 erholt, vor allem in Europa nicht. Auf der einen Seite verzeichnen wir in Südeuropa eine vorwärtstreibende Rolle der KPs: in Griechenland, Spanien, Portugal. Wir konnten einen beeindruckenden 19. Parteitag der PCP am vorigen Wochenende über Internet verfolgen. Ebenso konnten wir in der Woche davor uns über den KPÖ-Wahlerfolg in Graz freuen.Das Verhältnis zwischen der KPÖ-Graz und der KPÖ-Wien spiegelt zugleich die tiefen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der kommunistischen Bewegung, denn ein Anlass für ihr Auseinanderdriften war der Streit um das Verhältnis zur EU und zur EL-Mitgliedschaft der KPÖ. Die Dialektik von Nationalem und Internationalem ist eine von mehreren Fragen, in denen die kommunistische Bewegung noch keine gemeinsamen Antworten gefunden hat. Das gilt vor allem, wenn es darum geht, diese Dialektik auf die konkrete Situation in Europa anzuwenden.
Samstag, 24. November 2012
Mächtige Gegner
Für die Strategie kapitalismuskritischer Kräfte bedeutet die
wechselseitige Abhängigkeit von monopolistischem Industrie- und
Bankkapital, dass die "Reregulierung des Finanzmarkts" starke Gegner
hat. Nicht nur die Finanzkonzerne, sondern das gesamte Monopolkapital
wird versuchen, sie zu verhindern oder zumindest zu verwässern.
Wirksame demokratische Reformen erfordern daher Eingriffe in die Macht
des Monopolkapitals. Sie sind nur mit einer mobilisierten und
kampfbereiten Arbeiterklasse durchsetzbar.
...
In der Diskussion auf dem Symposium der Marx-Engels-Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kapitalismus in der Krise wurde unter anderem nach dem Unterschied zwischen Extraprofit und Monopolprofit und nach einer Definition des Monopols gefragt. Hier ein Link zu einem Report der Zeitschrift Schattenblick über die Diskussion: Monopole, Konzentration und Zentralisation des Kapitals
...
Hier der Link zum Interview, das ich im Anschluß an das Symposium der Marx-Engels-Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kapitalismus in der Krise" der Zeitschrift Schattenblick gegeben habe:
Demokratische Reformen erfordern Eingriffe in die Macht des Monopolkapitals
...
In der Diskussion auf dem Symposium der Marx-Engels-Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kapitalismus in der Krise wurde unter anderem nach dem Unterschied zwischen Extraprofit und Monopolprofit und nach einer Definition des Monopols gefragt. Hier ein Link zu einem Report der Zeitschrift Schattenblick über die Diskussion: Monopole, Konzentration und Zentralisation des Kapitals
...
Hier der Link zum Interview, das ich im Anschluß an das Symposium der Marx-Engels-Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kapitalismus in der Krise" der Zeitschrift Schattenblick gegeben habe:
Demokratische Reformen erfordern Eingriffe in die Macht des Monopolkapitals
Donnerstag, 8. November 2012
Cara Chanceler Merkel: Deutsch
Cara Chanceler Merkel: Deutsch: OFFENER BRIEF AN ANGELA MERKEL Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel, Zuallererst möchten wir darauf hinweisen, dass wir uns an Sie ...
Mittwoch, 18. April 2012
Zur Eliminierung des Parteiprinzips
Brief von Robert Steigerwald
Liebe
Genossen,
der
Genosse Leo Mayer hat einen Aufsatz→
für die KP des Irak geschrieben und diesen der Redaktion der
„Marxistischen Blätter“ und der „UZ“, ihrem Chefredakteur
geschickt. Ich bin dafür, diesen Aufsatz zu veröffentlichen, zumal
er die Substanz der Konzeption Leo Mayers (und jener Genossen, die
ihm dabei folgen) darlegt. Ausführungen Leos zu Gramsci sind nur
der Vordergrund, Hintergrund ist die Diskussion des
Partei-Verständnisses durch Leo Mayer. Es handelt sich m. E. um die
Absage an das Parteiverständnis als eines kommunistischen. Ich bin
also auch der Meinung, dass Leos Aufsatz zusammen (!) mit einer
Kritik an ihm zu veröffentlichen ist.
Die
entscheidenden Passagen in Leos Aufsatz lauten (alle Hervorhebungen
von mir, R. St.):
„Im
Rahmen eines solchen Paradigmas lässt sich auch nicht mehr das
traditionelle, sozialdemokratische, von Lenin im Hinblick auf die
rückständigen Verhältnisse Russlands sogar radikalisierte Bild
einer kommunistischen Partei aufrechterhalten, deren Funktion es sei,
durch Agitation, Propaganda und Organisation einer
unaufgeklärten Masse das sozialistische Bewusstsein 'von außen'(1) (bei)zubringen.
Folgt man dagegen Gramsci,
dann ist es die Funktion der Kommunistischen Partei und der ihr
verbundenen Intellektuellen, zur Organisierung und Systematisierung
eines
in den Massen bereits vorhandenen Wissens
beizutragen, das jedoch ‚eine auseinanderfallende, inkohärente,
inkonsequente Weltauffassung‘ darstelle, ‚der Beschaffenheit der
Volksmengen entsprechend, deren Philosophie‘ sie sei. Eine
homogene, zum gemeinschaftlich solidarischen Handeln befähigende
Weltauffassung einer sozialen Gruppe ist in solcher Sicht nur durch
gleichzeitiges Anknüpfen an den rationalen Elementen der Philosophie
des Alltagsverstandes wie gleichzeitig gegen ihn zu gewinnen.(2)"
Und
wer besorgt dieses Anknüpfen? Der liebe Gott?
Dienstag, 10. April 2012
Wer kontrolliert die DAX-Konzerne?
von Beate Landefeld
Ende 2011
waren 52% der Aktien der Deutschen Bank in Inlandsbesitz, 5% mehr als
2010. Als Ursachen nennt die Bank auf ihrer Homepage „eine aus dem
Ausland nach Deutschland verlagerte Verwahrung von institutionellen
Beständen sowie Aufstockungen von inländischen Privataktionären“
und eine „erstmals seit sechs Jahren wieder höhere Aktienakzeptanz
in Deutschland“ weil Staatsanleihen unsicher würden.i
Fred Schmid nimmt den Anstieg des
Auslandsanteils bei den Aktionären der Deutschen Bank von 2008 bis
2009 zum Anlass, um auszurufen: „Erhöhung bzw. Verringerung um 9
Prozentpunkte binnen eines Jahres, das lässt die Dynamik erahnen.“
Und Conrad Schuhler sekundiert: „Die von Fred Schmid aufgebotenen
empirischen Daten können … nicht bestritten werden. Der
Auslandsanteil bei der Deutschen Bank ist von 2008 bis 2009 von 45%
auf 54% gestiegen.“ii
Beide Autoren verzichten auf eine konkrete Analyse der Ursache dieser
Verschiebung.
Donnerstag, 29. März 2012
Deutsche Bank wieder in "deutscher Hand"
Die Deutsche Bank hat auf ihrer Homepage ihre Aktionärsstruktur zum Ende des Jahres 2011 bekanntgegeben: "Die Zahl unserer Aktionäre erreichte 2011 einen
neuen Höchststand. Sie wuchs im Jahresultimovergleich um 19766 auf 660389 (2010: 640623). Das steht im Einklang mit der erstmals seit sechs
Jahren wieder höheren Aktienakzeptanz in Deutschland.... In Deutschland sind die Bestände an Deutsche
Bank-Aktien um fünf Prozentpunkte auf insgesamt 52% des Grundkapitals gewachsen. Dahinter stehen vor allem eine aus dem Ausland nach
Deutschland verlagerte Verwahrung von institutionellen Beständen sowie
Aufstockungen von inländischen Privataktionären."
Nach der Logik der bürgerlichen Wirtschaftspresse, die seit 2007 die Mehrheit der DAX-Konzerne in "ausländischer Hand" sieht, müßte somit die Deutsche Bank soeben wieder in "deutsche Hand" gefallen sein.
Nach der Logik der bürgerlichen Wirtschaftspresse, die seit 2007 die Mehrheit der DAX-Konzerne in "ausländischer Hand" sieht, müßte somit die Deutsche Bank soeben wieder in "deutsche Hand" gefallen sein.
Dienstag, 27. März 2012
Aktionäre großer Finanzkonzerne 2000-2011 nach Inland:Ausland
Quelle: Geschäftsberichte
| Deutsche Bank | Inland | Ausland |
| 2000 | 48 | 52 |
| 2001 | 47 | 53 |
| 2002 | 54 | 46 |
| 2003 | 47 | 53 |
| 2004 | 49 | 51 |
| 2005 | 52 | 48 |
| 2006 | 54 | 46 |
| 2007 | 54 | 46 |
| 2008 | 55 | 45 |
| 2009 | 46 | 54 |
| 2010 | 47 | 53 |
| 2011 | 52 | 48 |
Sonntag, 4. März 2012
Neue Zahlenspiele des ISW – diesmal von Fred Schmid
In früheren Blogbeiträgen habe ich mich bereits mit der Zahlenakrobatik von Walter Listl beschäftigt. In der UZ vom 2.3.2012 liefert nun Fred Schmid, auch vom Institut für sozialökologische Wirtschaftsforschung (ISW), ein neuerliches Beispiel für den nicht sehr sorgfältigen Umgang mit empirischem Material, der an den Tag gelegt wird, wenn es darum geht, Kritik an den umstrittenenen Theorien des ISW mit Zahlen zuzuschütten, statt zu widerlegen.
Fred Schmid stellt ein neues ISW-Heft vor. Dabei zeigt er auf, dass in den kapitalistischen Ländern der öffentlichen Verschuldung eine private Reichtumsexplosion gegenüber steht. Er beschreibt dies als ein globales Phänomen. So weit so gut. Leider bemüht er sich dann wieder einmal, eigenständige Interessen, Handlungen und Strategien der deutschen Bourgeoisie, ihrer Konzerne und Banken sowie des Staates als für die heutige Ökonomie nicht mehr „strukturbestimmend“ zu deklarieren, das heißt, sie hinter einer angeblichen Kontrolle der DAX-Unternehmen durch ausländische Investoren verschwinden zu lassen.
Die Dominanz Berlins bei der Unterwerfung der Eurozone unter die „Stabilitätskultur“ des deutschen exportabhängigen Monopolkapitals dürfte auch Fred Schmid nicht entgangen sein, und sie zeigt, dass sehr wohl von eigenständigen Interessen und einer eigenständigen Rolle der deutschen Bourgeoisie die Rede sein muß. Ebenso zeugt davon der Streit bei den G20-Gipfeln, auf denen Merkels Vorgehen regelmäßig der Kritik Londons, Washingtons und der Schwellenländer ausgesetzt ist.
Montag, 9. Januar 2012
Nachdenken anlässlich des 120. Jahrestags des Erfurter Programms der SPD
Von Robert Steigerwald
Ein Dialog aus Platons Werk „Der Staat“
Sokrates: Nun weißt du doch, dass die reichen Leute ganz außer Angst sind und vor ihren Sklaven sich nicht fürchten?
Glaukon: Was hätten sie auch für Veranlassung zur Furcht?
Sokrates: Keine; aber bist du dir auch klar über den Grund dieser Erscheinung?
Glaukon: Jawohl; er ist dieser: Der ganze Staat steht jedem einzelnen dieser Privatleute zur Seite.
Sokrates: Richtig. Aber gesetzt nun ein Gott entrückte einen dieser Männer, der 50 oder mehr Sklaven hat, aus der Stadt und versetzte ihn mit Weib und Kind und seiner ganzen Habe sowohl mit seinen Sklaven in eine Wüste, wo ihm kein Freier zu Hilfe kommen könnte, welche Vorstellung machst du dir da wohl von der Art und Größe der Todesfurcht für sich selbst für seine Kinder und sein Weib, in der er vor den Sklaven schwebt?
Glaukon: Sie ist die denkbar größte meiner Ansicht nach.1
Dienstag, 13. Dezember 2011
Hans Heinz Holz ist gestorben
Unser Genosse und Autor, der über die Grenzen unseres Landes hinaus als Politiker und Philosoph berühmte Professor Dr. Hans Heinz Holz, ist, wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag, nach schwerer Krankheit gestorben. Der Urtext zu diesem jetzigen Ausdruck unserer Trauer war eine Würdigung des Wirkens von Hans Heinz Holz, gedacht zu seinem 85. Geburtstag, den wir jetzt nicht mehr erleben können. Ich werde aber an diesem Abschiedswort über ihn nichts ändern, denn was er geschaffen hat, war zu würdigen und daran ändert der Tod nichts.
Wir sind uns dessen sicher, sein Werk wird weiter wirken. Und allen Genossinnen und Genossen, aber auch manchem, der uns gar nicht so nahe stand, werden sein Temperament, seine Bücher und Vorträge – die alles andere als professorenhaft waren – im Gedächtnis bleiben. Sie werden sich dankbar oder – die uns ferner standen und stehen – wenigstens achtungsvoll seiner erinnern. Wir aber, seine Genossinnen und Genossen, haben von ihm gelernt und sind in der Pflicht, das Gelernte weiter zu vermitteln.
Der 26. Februar 2012 sollte ein Grund sein, Hans Heinz’ 85. Geburtstag zu feiern. Wir waren uns nicht sicher, ob es zur Feier werde kommen können, denn wir wussten um seinen prekären Gesundheitszustand, doch hofften wir und bereiteten uns auf die Feier vor – die nun seine Totenfeier werden muss.
Donnerstag, 30. Juni 2011
Zehntausende Mitglieder - über 1 000 Berufsverbote
Am 22. Mai 1971 konstituierte sich der marxistische Studentenbund Spartakus mit seinem 1. Bundeskongress in Bonn. Etwas über 20 Jahre später am 23. Juni 1990 löste sich der MSB in Münster auf einer Bundesmitgliederversammlung auf. Über Politik und Geschichte des Verbandes sprachen wir mit zwei seiner führenden FunktionärInnen. Das Gespräch für die UZ führte Adi Reiher, Anfang der 80er Jahre selbst Sekretär des MSB-Bundesvorstandes.
UZ Beate, anlässlich des Studiengebührenboykotts von 2007 hatten Dich Hamburger Studenten eingeladen, damit Du über die Erfahrungen des Studiengebührenboykotts von 1970 referierst. Was hast Du vorgefunden?
Beate Landefeld: Auf der Veranstaltung waren etwa 40 Leute, hauptsächlich Sympathisanten der "gewerkschaftlichen Orientierung", aber auch Basisgruppler und Liberale. Fast nur Aktivisten. Für Aktivisten ist die Geschichte der Studentenbewegung wichtig. Sie beschäftigen sich relativ intensiv damit. Auch an der Freien Universität Berlin gab der AStA eine "Kleine Geschichte der FU" heraus mit Erfahrungen der Studentenbewegung früherer Jahrzehnte. Ich schließe nicht aus, dass die Geschichte des MSB Spartakus noch einmal richtig ausgegraben wird - von künftigen Studentengenerationen.
Michael Maercks: Ich bin ganz froh, dass wir hier Gelegenheit haben über den MSB Spartakus zu reden, denn in der Geschichte der Studentenbewegung, in der Geschichte der Linken, so wie sie heute dargestellt wird, kommt der Verband nicht mehr vor. Bei der Veranstaltung zum 40. Jahrestag der DKP wurde der Spartakus nicht erwähnt.
UZ Warum?
Michael Maercks: Es passte nicht in das Konzept der Veranstaltung: DKP als Partei der Arbeiterklasse, auch in der Kontinuität der KPD. Dabei hatte die DKP bei ihrer Neukonstituierung durchaus den Kontakt zur Intelligenz gesucht. Es mag an der Erfahrung liegen, dass sehr viele Spartakisten heute nicht mehr bei der DKP sind.
Auch beim neuen SDS wird der Spartakus ausgeblendet. Beim Kongress 40 Jahre Studentenbewegung fand der MSB kaum statt. Auf meine Anfrage wegen Mitarbeit habe ich keine Antwort bekommen. Auf dem Kongress trat nur Christiane Reymann, früher MSB jetzt "Die Linke", mit einer Veranstaltung zur gewerkschaftlichen Orientierung auf. Das war´s. Dabei war der MSB in der Geschichte der Bundesrepublik der größte Studentenverband.
Beate Landefeld: Der größte marxistische, aber auch der größte überhaupt.
Michael Maercks: Genau. Überschlägig kann man sagen, in den 20 Jahren seiner Existenz sind zwischen 20- und 30 000 Studenten durch den MSB gegangen. Das ist eine ganze Menge. Davon findest du heute viele - entsprechend unserer damaligen Orientierung - im gewerkschaftlichen Bereich. Auch im wissenschaftlichen Bereich.
Beate Landefeld: Dort ist zum Beispiel Steffen Lehndorff, der "Erfinder" des Begriffs der gewerkschaftlichen Orientierung.
Michael Maercks: An der "Erfindung" waren auch noch etliche andere beteiligt. Das fing zwischen 66 und 68 an. Das war ein längerer Prozess, an dessen Anfang die Bestimmung der Wissenschaft als Produktivkraft stand, also ihre Einordnung in den Produktionsprozess. Im Laufe der Jahre lernten also viele in der Arbeit des MSB, zu kämpfen, öffentlich aufzutreten, zu argumentieren, analytisch zu denken, Politik zu entwickeln ...
Beate Landefeld: Das Organisieren nicht zu vergessen.
Michael Maercks: Das auch. Das alles hat uns im "Leben" später geholfen. Einige haben diese Fähigkeiten dann "anders" eingesetzt, was vielleicht dazu beiträgt, dass der MSB von mancher Seite nicht mehr erwähnt wird. Als wir uns 1971 konstituierten, hatten wir die Presse noch für uns. Spiegel und Zeit untersuchten uns sehr genau.
Beate Landefeld: Auch der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und der heutige CDU-Professor Gert Langguth.
Michael Maercks: Tatsache ist, dass 1971 die Zeit für die Gründung eines marxistischen Studentenverbandes reif war. Es gab allerdings durchaus Diskussionen, ob das richtig sei. Man machte in anderen europäischen kommunistischen Parteien durchaus nicht nur positive Erfahrungen mit "seinen" Studenten. Es zeichnet die damalige DKP-Führung aus, dass sie damals nicht nur die Chance sah, sondern auch die Notwendigkeit begriff.
UZ Man kann ja vielfach nachlesen, dass der Grund für die Studentenbewegung der Mauerbau von 1961 gewesen sei. Danach blieb der Zustrom von gutausgebildeten Akademikern aus dem Osten aus. Und die westdeutschen Hochschulen begannen aus den Nähten zu platzen.
Beate Landefeld: Das war ein Aspekt. In "Rebellion der Studenten" analysiert der SDS-ler Wolfgang Lefèvre, dass nach der Wirtschaftskrise 1967 deutlich wurde, dass das Bildungssystem der BRD veraltet war. Auch die aufgeklärten Teile der Bourgeoisie sahen die Notwendigkeit einer Hochschulreform. Die Studentenzahlen mussten erheblich erhöht werden, von Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre verdoppelten sie sich. Die Ordinarienherrschaft passte nicht zur Massenuniversität. Der Kampf gegen den "Muff von 1000 Jahren" unter den Talaren kam daher auch in bürgerlichen Medien gut an.
UZ Beate, anlässlich des Studiengebührenboykotts von 2007 hatten Dich Hamburger Studenten eingeladen, damit Du über die Erfahrungen des Studiengebührenboykotts von 1970 referierst. Was hast Du vorgefunden?
Beate Landefeld: Auf der Veranstaltung waren etwa 40 Leute, hauptsächlich Sympathisanten der "gewerkschaftlichen Orientierung", aber auch Basisgruppler und Liberale. Fast nur Aktivisten. Für Aktivisten ist die Geschichte der Studentenbewegung wichtig. Sie beschäftigen sich relativ intensiv damit. Auch an der Freien Universität Berlin gab der AStA eine "Kleine Geschichte der FU" heraus mit Erfahrungen der Studentenbewegung früherer Jahrzehnte. Ich schließe nicht aus, dass die Geschichte des MSB Spartakus noch einmal richtig ausgegraben wird - von künftigen Studentengenerationen.
Michael Maercks: Ich bin ganz froh, dass wir hier Gelegenheit haben über den MSB Spartakus zu reden, denn in der Geschichte der Studentenbewegung, in der Geschichte der Linken, so wie sie heute dargestellt wird, kommt der Verband nicht mehr vor. Bei der Veranstaltung zum 40. Jahrestag der DKP wurde der Spartakus nicht erwähnt.
UZ Warum?
Michael Maercks: Es passte nicht in das Konzept der Veranstaltung: DKP als Partei der Arbeiterklasse, auch in der Kontinuität der KPD. Dabei hatte die DKP bei ihrer Neukonstituierung durchaus den Kontakt zur Intelligenz gesucht. Es mag an der Erfahrung liegen, dass sehr viele Spartakisten heute nicht mehr bei der DKP sind.
Auch beim neuen SDS wird der Spartakus ausgeblendet. Beim Kongress 40 Jahre Studentenbewegung fand der MSB kaum statt. Auf meine Anfrage wegen Mitarbeit habe ich keine Antwort bekommen. Auf dem Kongress trat nur Christiane Reymann, früher MSB jetzt "Die Linke", mit einer Veranstaltung zur gewerkschaftlichen Orientierung auf. Das war´s. Dabei war der MSB in der Geschichte der Bundesrepublik der größte Studentenverband.
Beate Landefeld: Der größte marxistische, aber auch der größte überhaupt.
Michael Maercks: Genau. Überschlägig kann man sagen, in den 20 Jahren seiner Existenz sind zwischen 20- und 30 000 Studenten durch den MSB gegangen. Das ist eine ganze Menge. Davon findest du heute viele - entsprechend unserer damaligen Orientierung - im gewerkschaftlichen Bereich. Auch im wissenschaftlichen Bereich.
Beate Landefeld: Dort ist zum Beispiel Steffen Lehndorff, der "Erfinder" des Begriffs der gewerkschaftlichen Orientierung.
Michael Maercks: An der "Erfindung" waren auch noch etliche andere beteiligt. Das fing zwischen 66 und 68 an. Das war ein längerer Prozess, an dessen Anfang die Bestimmung der Wissenschaft als Produktivkraft stand, also ihre Einordnung in den Produktionsprozess. Im Laufe der Jahre lernten also viele in der Arbeit des MSB, zu kämpfen, öffentlich aufzutreten, zu argumentieren, analytisch zu denken, Politik zu entwickeln ...
Beate Landefeld: Das Organisieren nicht zu vergessen.
Michael Maercks: Das auch. Das alles hat uns im "Leben" später geholfen. Einige haben diese Fähigkeiten dann "anders" eingesetzt, was vielleicht dazu beiträgt, dass der MSB von mancher Seite nicht mehr erwähnt wird. Als wir uns 1971 konstituierten, hatten wir die Presse noch für uns. Spiegel und Zeit untersuchten uns sehr genau.
Beate Landefeld: Auch der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und der heutige CDU-Professor Gert Langguth.
Michael Maercks: Tatsache ist, dass 1971 die Zeit für die Gründung eines marxistischen Studentenverbandes reif war. Es gab allerdings durchaus Diskussionen, ob das richtig sei. Man machte in anderen europäischen kommunistischen Parteien durchaus nicht nur positive Erfahrungen mit "seinen" Studenten. Es zeichnet die damalige DKP-Führung aus, dass sie damals nicht nur die Chance sah, sondern auch die Notwendigkeit begriff.
UZ Man kann ja vielfach nachlesen, dass der Grund für die Studentenbewegung der Mauerbau von 1961 gewesen sei. Danach blieb der Zustrom von gutausgebildeten Akademikern aus dem Osten aus. Und die westdeutschen Hochschulen begannen aus den Nähten zu platzen.
Beate Landefeld: Das war ein Aspekt. In "Rebellion der Studenten" analysiert der SDS-ler Wolfgang Lefèvre, dass nach der Wirtschaftskrise 1967 deutlich wurde, dass das Bildungssystem der BRD veraltet war. Auch die aufgeklärten Teile der Bourgeoisie sahen die Notwendigkeit einer Hochschulreform. Die Studentenzahlen mussten erheblich erhöht werden, von Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre verdoppelten sie sich. Die Ordinarienherrschaft passte nicht zur Massenuniversität. Der Kampf gegen den "Muff von 1000 Jahren" unter den Talaren kam daher auch in bürgerlichen Medien gut an.
Sonntag, 5. Juni 2011
Reaktionär von Format
aus: Junge Welt vom 06.06.2011
Lucas Zeise:
Lucas Zeise:
Warum die Währungsunion scheitert. Zur Verleihung des Aachener Karlspreises an den scheidenden Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet
Es gibt viele Gründe, warum wir sagen können, daß Jean-Claude Trichet den Karlspreis verdient hat, den er übermorgen in dieser Stadt in Empfang nehmen wird. Diesen Preis erhalten Jahr für Jahr Personen – manchmal auch Institutionen –, die an der Schaffung eines reaktionären und unsozialen Europa mitgewirkt haben. Den Preis gibt es schon lange. Schon viele Karlspreisträger haben aktiv an der Schaffung eines solchen EU-Europa mitgewirkt, das man vielleicht am besten vergleichen kann mit dem Europa nach dem Wiener Kongreß, das von der katholisch-reaktionären Allianz von Kaiser, Königen und Fürsten unter Führung des Österreichers Metternich gegen die Völker Europas errichtet wurde. Man kann den Karlspreisträgern gratulieren. Sie sind schon ganz schön weit mit der Errichtung eines undemokratischen Metternich-Europas gekommen.
Ohne Zweifel reiht sich der diesjährige Preisträger, der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet, würdig in die Liste dieser Reaktionäre ein. Er hat diese Ehrung in zwiefacher Weise verdient. Erstens ad personam. Die Konservativen schmücken ihre Reden gern mit lateinischen Ausdrücken, um den Plebs – also das Volk – zu verwirren und zugleich zu beeindrucken. Ein bißchen wollen wir es auch so halten. Also erstens ad personam – das soll hier heißen Herr Trichet hat den Preis auch ganz persönlich verdient. Er war und ist mit vollem Engagement »konservativer Zentralbanker«. Dieser Ausdruck ist nicht, wie man vermuten könnte, nur eine politische Charakterisierung. Es ist sozusagen ein Fachausdruck und zugleich ein Wort der Anerkennung unter Gleichen, die ebenfalls aus diesem harten konservativen Holz geschnitzt sind.
Mittwoch, 18. Mai 2011
Investoren und Patriarchen (Tageszeitung Junge Welt)
Vorabdruck. Über die Kapitalstrukturen in der deutschen Medienwirtschaft. Teil II und Schluß: Radio, Fernsehen, Internet
Von Gert HautschDas Anfang Juni erscheinende Heft 86 von Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung hat den Themenschwerpunkt »Medien- und Meinungsmacht«. Wir veröffentlichen daraus vorab, um einige Tabellen gekürzt, eine Analyse von Gert Hautsch zur Macht- und Kapitalkonzentration im Medienbereich der BRD. Im gestern erschienenen ersten Teil wurde die Situation der bundesdeutschen Zeitungs- und Buchverlage dargestellt.
Die Zeitschrift Z ist zu beziehen über redaktion@zme-net.de, Einzelheft 10 Euro (www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de)
Die Märkte für Funkmedien sind gespalten. Es gibt die öffentlich-rechtlichen Anstalten und seit knapp 30 Jahren private Sender und Senderketten. Beim Hörfunk teilen sich die ARD-Kanäle und die Privaten die Reichweite jeweils zur Hälfte, von den Bruttowerbeerlösen gehen 70 Prozent an die Privatsender. Wegen gesetzlicher Regelungen (die in den Bundesländern gerade stark gelockert werden) gibt es bisher kaum Radiosender, die sich vollständig oder mehrheitlich im Besitz eines Unternehmens befinden. Das bedeutet aber nicht, daß die großen Medienkonzerne sich dieses Geschäft entgehen ließen (Tab. 1). Einige Namen finden sich auch auf diesem Markt an vorderster Stelle, andere (z.B. die WAZ-Gruppe oder MDS) sind beim Regional- und Lokalradio stark mit dabei.Medien und Macht (Tageszeitung Junge Welt)
Vorabdruck. Über die Kapitalstrukturen in der deutschen Medienwirtschaft. Teil I: Zeitungs- und Buchverlage
Von Gert HautschDie moralische Qualität von Leuten wie Merkel, Seehofer oder Guttenberg ist die eine Sache. Daß aber ein Medienunternehmen aus eigener Machtvollkommenheit heraus derart ins politische Geschehen eingreift, moralische und juristische Maßstäbe setzt und darüber entscheiden will, ob jemand Minister bleibt oder nicht, war beängstigend. Damit wurde in seltener Klarheit deutlich, was es bedeuten kann, wenn privatkapitalistische Verlage zu Großkonzernen werden. Und was damit gemeint ist, wenn diese sich dann auf die Pressefreiheit berufen.
Montag, 30. August 2010
Und die Staaten?
Und die Staaten?
Ein Fall von schematischer Ableitung liegt vor, wenn Veränderungen der Rolle der Nationalstaaten allein aus den TNKs und der Internationalisierung des kooperativen Arbeitsprozesses erklärt werden. So, wenn W. Listl den Nationalstaaten nur noch die Rolle zuweist, „um die günstigsten Standorte für die TNKs zu konkurrieren”. Noch deutlicher sind die „Thesen des Sekretariats”: „In der Krise verschärft sich der Konkurrenzkampf der Staaten untereinander, um dem Kapital den besten Investitionsstandort zu bieten.” (Thesen, S. 12).
Natürlich konkurrieren die Staaten auch als Standorte, aber nicht nur. Sie sind zugleich Verstärker der national basierten Monopole.Montag, 23. August 2010
Ein methodisches Problem
Statt wie Walter Listl von einem “qualitativen Sprung der Internationalisierung des Kapitals, seiner globalen Struktur” zu sprechen, macht es Sinn, von „einer neuen Stufe der Internationalisierung” zu reden, bei der es um die „Vernetzung der Produktionsprozesse und Finanzströme über den ganzen Globus” geht.
Selektiver Umgang mit den Daten über ausländische Direktinvestitionen (ADI)
Laut Walter Listl war der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen 2008 mit 16205 Mrd. US-Dollar zehnmal so hoch wie 1990. Laut UNCTAD betrug er 2087 Mrd. im Jahr 1990 und 16207 Mrd. im Jahr 2008, war also ungefähr 7,7 mal so hoch wie 1990. Doch sagen solche absoluten Zahlen wenig über eine Zunahme des Verflechtungsgrades der Volkswirtschaften aus. Das absolute Wachstum könnte einem höheren Welt-BIP zuzuschreiben sein.
Gerade um den Verflechtungsgrad geht es aber bei W. Listl, der mit seinen Zahlen einen „qualitativen Sprung der Internationalisierung des Kapitals, seiner globalen Struktur” nachweisen will. Über den Verflechtungsgrad gibt jedoch nicht die absolute Zunahme der Bestände an ausländischen Direktinvestitionen Aufschluß, sondern die Zunahme ihres Anteils am ebenfalls wachsenden BIP der Welt.
Gerade um den Verflechtungsgrad geht es aber bei W. Listl, der mit seinen Zahlen einen „qualitativen Sprung der Internationalisierung des Kapitals, seiner globalen Struktur” nachweisen will. Über den Verflechtungsgrad gibt jedoch nicht die absolute Zunahme der Bestände an ausländischen Direktinvestitionen Aufschluß, sondern die Zunahme ihres Anteils am ebenfalls wachsenden BIP der Welt.
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