Die im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) vorgesehene CO2-Bepreisung in den Sektoren Verkehr und Gebäude gilt seit 1.1.2021. Sie beträgt vorerst 25 Euro pro Tonne CO2, die von den Inverkehrbringern auf die Endverbraucher umgelegt werden dürfen. Infolgedessen stieg der Benzinpreis bereits um 6 Cent pro Liter. Bis 2025 soll der Preis laut BEHG auf 55 Euro pro Tonne steigen. Die Grünen fordern 60 statt 55 Euro pro Tonne und ein Vorziehen des Anstiegs auf 2023. Damit steige – so Annalena Baerbock im Interview mit der Bildzeitung – der Benzinpreis um weitere 10 Cent auf insgesamt 16 Cent. Das sind 0,5 bis 0,7 Cent mehr als bisher geplant.
Freitag, 11. Juni 2021
Freitag, 9. April 2021
Gesponserte „lebendige Demokratie“ – Studie von LobbyControl zum CDU-Wirtschaftsrat
Freitag, 12. März 2021
Juniorpartner im herrschenden Block – der Aufstieg der Grünen
NATO-Hörigkeit, Russophobie, Doppelstandards der Grünen sind zu entlarven. Dabei sollten gleiche Maßstäbe gelten wie bei anderen bürgerlichen Parteien. Sonst kann man Anhänger der Grünen – das sind dummerweise viele – kaum überzeugen. Mit Parteispenden der Arbeitgeberverbände Südwestmetall und der Bayrischen Metall- und Elektroindustrie lässt sich eine besondere Nähe der Grünen zur Rüstungsindustrie nicht belegen, wie es in der UZ vom 5.3.2021 versucht wird. Beide Verbände spenden seit jeher an alle neoliberalen NATO-Parteien im Bundestag, außer an die AfD. An die CDU/CSU überwiesen sie in den letzten fünf Jahren allerdings vier bis fünfmal so viel wie an FDP und Grüne. Der SPD gaben sie viel weniger, der PDL nichts. 2020 spendeten Kapitalistenverbände und Oligarchen der CDU/CSU 1,94 Millionen, der FDP 100000, Grünen und SPD je 50000. Das ist die übliche Gewichtung und Rangfolge in der Wertschätzung der Großbourgeoisie.
Freitag, 12. Februar 2021
Strategische Autonomie unter Biden? Die EU sucht nach ihrer Rolle
Als Trump US-Präsident war, war der Ruf nach „strategischer Autonomie“, „Souveränität“ oder einer „geopolitischen Rolle“ der EU oft zu hören. EU-Staaten, die willens waren, als Leithammel voranzugehen, forcierten die Zusammenarbeit ihrer Armeen. Großprojekte der Aufrüstung wie das Kampfflugzeugsystem FCAS wurden auf den Weg gebracht. Nach Bidens Wahl zog Annegret Kramp-Karrenbauer die Zügel an. Ein Verständnis von strategischer Autonomie, welches „die Illusion nährt, wir könnten Sicherheit, Stabilität und Wohlstand in Europa ohne die NATO und ohne Amerika gewährleisten“, lehnte sie ab. Die EU sei auch künftig auf die USA angewiesen. Das ging gegen Emmanuel Macron. Er sieht Frankreich als militärische Führungsmacht und will, dass die EU militärisch ohne die USA agieren kann, z.B. gegen die Türkei.
Freitag, 15. Januar 2021
SPD vererbt Grünen das Kampfdrohnenproblem – AKK drängte vergeblich auf Eile
Schon 2017 hofften die Unternehmerverbände auf die Ablösung der ungeliebten Großen Koalition durch die schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition. Lindner vermasselte es. Danach galt die GroKo lange als wackelige Übergangslösung, jederzeit bedroht durch eine unzufriedene SPD-Basis, die in langwierigem Verfahren eine neue Führung wählte. Das Duo Esken / Walter-Borjans siegte mit der Zusage, die GroKo zu beenden. Sie taten es nicht, weil die Fraktion es nicht wollte. Die Kritiker wurden auf ein Ende der GroKo im Herbst 2021 vertröstet. Einige Enttäuschte verließen die SPD, aber die GroKo blieb. Während der ganzen Legislaturperiode schien klar zu sein: Nach der Bundestagswahl 2021 kommt es zu einer schwarz-grünen Koalition.
Seit einem Jahr prägt nun Corona das Stimmungsbild. Die Zahl
derer, die genau verfolgen, was die Regierung tut, dürfte massiv gestiegen
sein, da die Pandemiemaßnahmen fast jeden betreffen. Die Pandemie hievte Markus
Söder hinter Angela Merkel in die oberen Ränge der Beliebtheitsskala, während
die Kandidaten für den CDU-Vorsitz Laschet, Merz und Röttgen im unteren Bereich
vor sich hindümpeln. Söder hat seit der letzten Bayernwahl grüne Kreide
gefressen. In der Pandemie profiliert er sich – trotz Pannen der eigenen
Administration – als Lockdown-Hardliner. Seither hält ihn eine klare Mehrheit für
geeignet, Kanzler zu werden. Die CDU mag hoffen, dass sich dies bis zur
Entscheidung über die Kandidatur noch ändert. Ein Risiko, das Kanzleramt zu
verlieren, werden CDU/CSU aber nicht eingehen.
SPD und Grüne treten auch mit dem Anspruch an, künftig den
oder die Kanzlerin zu stellen. Das ist irreal, erspart ihnen aber Koalitionsbekenntnisse.
Real kann eine der beiden Parteien Juniorpartnerin der Hauptpartei des
Monopolkapitals CDU/CSU werden, eine Rolle, die wenig Spielraum bietet, Wahlversprechen
einzulösen. Monopolbourgeoisie und imperialistische NATO-Partner erwarten stattdessen,
dass sie bevölkerungsfeindliche Beschlüsse wie die Anschaffung von Kampfdrohnen
mittragen. Die SPD-Führung fordert zuvor eine „gesellschaftliche Debatte“. Die Grünen,
die bisher Kampfdrohnen ablehnen, sind sauer, weil die SPD ihnen die
Entscheidung nicht abgenommen hat. Die Drohne wird Wahlkampfthema.
Kriegsministerin Kramp-Karrenbauer nennt die SPD „unverantwortlich“.
Kampfdrohnen dienten der Sicherheit „unserer Soldaten“. Laut Wolfgang Steiger,
Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats gefährdet die SPD Deutschlands Ruf als
verlässlicher Partner für künftige Rüstungskooperationen. „Wie sollen
europäische Großvorhaben wie das FCAS (Future Combat Air System) oder die
Eurodrohne gemeinsam mit Frankreich, Italien und Spanien umgesetzt werden, wenn
Deutschland schon derartig wankelmütig in der Entscheidung zur Beschaffung
bewaffneter Drohnen ist?“
Mehr Milde zeigt Daniela Vates vom Redaktionsnetzwerk
Deutschland: „Die SPD mit ihren Wurzeln in der Friedensbewegung kämpft darum,
ihren weiteren Abstieg zu verhindern. Sie hat sich gerade mal vor einem Jahr
eine Parteiführung gewählt, die ganz explizit dafür steht, den linken Flügel zu
besänftigen“ (RND 16.12.2020). Das Problem, nichtmonopolistische Wählerschichten
gegen deren ureigenste Interessen in eine kapitalistisch-imperialistische
Politik einzubinden, kann die SPD, deren Wählerschaft sich in der
Nach-Schröder-Ära sukzessive halbierte, künftig an die Grünen in einer schwarz-grünen
GroKo vererben.
Dass die Kampfdrohnen nicht, wie geplant, still und leise
beschlossen werden konnten, sondern im Wahlkampf debattiert werden müssen, ist
ein Erfolg der Friedensbewegung. Auch die Aufrüstung nach NATO-Vorgaben, die Rüstungsgroßprojekte
der EU, die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik und die Notwendigkeit
von Rüstungskontrolle und Abrüstung werden dabei unvermeidlich zur Sprache
kommen.
UZ-Kolumne von Beate Landefeld vom 15.1.2021
Freitag, 13. November 2020
Trumps Abgang. Deutsche Bourgeoisie erhofft Auferstehung des Transatlantismus
Das althergebrachte, indirekte US-Wahlsystem soll die Oligarchie sichern. Alexander Hamilton, ein Gründervater, dessen Porträt die Zehn-Dollar-Note ziert, erklärte es: „Alle Gemeinschaften unterteilen sich in die Wenigen und die Vielen. Erstere sind die reich und wohl Geborenen, die anderen die Masse des Volkes […] Das Volk ist turbulent und veränderlich; es urteilt und beschließt selten richtig. Gebt deshalb der ersten Klasse einen eindeutigen, dauerhaften Anteil an der Regierung.“ Das funktioniert, auch wenn die Oligarchie nicht mehr aus Finanz- und Handelskapitalisten, Reedern, Landspekulanten und Sklavenhaltern besteht, sondern aus Großeigentümern und Lenkern von Konzernen, Banken, Fonds und Medien. Für den teuersten Wahlkampf aller Zeiten spendeten Hunderte Milliardäre - „die meisten für Joe Biden, um Präsident Trump loszuwerden“ (Managermagazin 3.11.20).
Freitag, 9. Oktober 2020
Über Kreuz liegende Interessen - EU-Gipfel mischt sich in Belarus ein und schont die Türkei
Europäische Souveränität, strategische Autonomie, Resilienz – die Schlagworte aus Brüssel geben die Richtung an, in die sich die EU entwickeln soll. Europäische Souveränität soll den Ausfall der USA als Übervater des Westens kompensieren. Strategische Autonomie auf allen Gebieten, vom Militär bis zur Wirtschaft, hält man für nötig, um sich als „europäische Wertegemeinschaft“ zwischen den protektionistischen USA und einem angeblich „aggressiv agierenden China“ zu behaupten. Resilienz soll die EU in einer Welt der Spannungen, Krisen, Krachs und Katastrophen fit machen, vieles auszuhalten, ohne zu bersten. Das Bedrohungsnarrativ trägt dem Wandel seit der Krise 2008 Rechnung. Die Globalisierung verlor an Tempo. Auf die weiter bestehenden Ungleichgewichte der Weltwirtschaft reagierten mächtige Akteure mit Protektionismus. Der US-Handelskrieg gegen China trägt neben den normalen Krisen zusätzliche Unberechenbarkeit in die Weltwirtschaft.
Freitag, 11. September 2020
Wackelt Nord Stream 2? Die Russenhasser wittern Morgenluft
Am 5.4.2018 schrieb Christina Hebel, Moskau-Korrespondentin des ‚Spiegel‘: „Die britische Regierung muss im Fall des vergifteten Ex-Agenten Skripal endlich Beweise vorlegen. Tut sie es nicht und leistet sich Fehler wie zuletzt, spielt sie dem Kreml in die Hände.“ Die Beweise kamen nie. Aufklärung ist eben nicht die Funktion solcher Inszenierungen, weder damals im Fall Skripal, noch heute im Fall Nawalny. Es sind Kampagnen zwecks Erzeugung von Spannungen. Medien greifen vermeintliche oder wirkliche Verbrechen auf, machen sich selbst zu Anklägern und zugleich zu Richtern und verhelfen interessierten politischen Kreisen zur selbstgerechten Henkerrolle. Im Fall Nawalny fordert die Bundesregierung zwar Aufklärung, verhindert diese aber zugleich. Die Kooperation von Ermittlungsbehörden wird sabotiert und durch einen Medienkrieg ersetzt. Ob Nawalny vergiftet wurde und falls ja, durch wen – sollte es jemals aufgeklärt werden, wird es diese Medien nicht mehr interessieren.
