Freitag, 7. Juni 2019
Konfrontation statt Offenheit - Merkels Harvard-Rede und die Realität.
Im Mai 2017, nach ersten Polter-Auftritten des neuen
US-Präsidenten Trump bei den G7, hielt Kanzlerin Merkel auf einem CSU-Treffen
ihre von der Qualitätspresse hoch gelobte „Bierzeltrede“. Kernaussage: „Wir
Europäer müssen unser Schicksal … in unsere eigene Hand nehmen“. Die Zeiten, in
denen „wir uns auf andere verlassen konnten“, seien „ein Stück weit vorbei“. Das
gab dem EU-Militarismus einen Schub. Im Mai 2019 hielt die Kanzlerin wieder
eine beachtete Rede, diesmal zu Absolventen der US-Eliteuniversität Harvard. Sie
pries das 70 Jahre alte, „wertebasierte“ transatlantische Bündnis, forderte
Kampf gegen Klimawandel, freien Welthandel statt Protektionismus, Offenheit
statt Mauern, multilateral statt unilateral, global statt national. Wahrheiten
dürften nicht Lügen genannt werden und Lügen nicht Wahrheiten. In Harvard, dem
wissenschaftlichen Zentrum der liberalen Ostküsten-Elite, brandete bei jedem Seitenhieb
gegen Trump Beifall auf.
Freitag, 10. Mai 2019
„Friedlich“ oder Beihilfe zur Eskalation?
Außenminister Maas hält Venezuelas Putschisten und Scharfmachern die Stange
Am Tag des jüngsten Putschversuchs in Venezuela, am 30.
April, traf sich Heiko Maas mit dem faschistischen Präsidenten Brasiliens Jair
Messias Bolsonaro. Während der selbsternannte venezolanische Interimspräsident
Guaidó wieder einmal zur Spaltung der Armee aufrief und seine Anhänger mit
Brandfackeln und Molotowcocktails ausgerüstet in den Straßenkampf zogen, schloss
Maas vor der konterrevolutionären Gewalt die Augen und deklarierte: „Unsere
Unterstützung für Juan Guaidó hat sich in keiner Weise geändert“. Er hoffe,
dass die Lage friedlich bleibe. Sein frommer Wunsch erscheint bei gleichzeitiger
Unterstützung des Putschisten, der einen Dialog stets ablehnte und allein auf Gewalt
und militärischen Verrat setzt, unglaubwürdig. Guaidós in immer neuen Anläufen
versuchte Spaltung der Armee zielt vielmehr auf einen Bürgerkrieg. „Friedlich“ kann
die Lage in einem Land, gegen das die USA einen irregulären Krieg führen, schon
jetzt kaum noch genannt werden.
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Freitag, 12. April 2019
Die Globalisierung schleicht sich von ungewohnter Seite heran
Italien stieg in das Projekt der Neuen Seidenstraße ein (Belt
and Road Initiative = BRI). Chinas Präsident Xi kam dazu nach Rom. Er besuchte danach
Monaco und Paris. Er vereinbarte Handelsverträge mit Präsident Macron.
Kanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Juncker kamen dazu, um zu zeigen,
dass die EU sich nicht spalten lasse. Ihre Show kann die faktische Spaltung der
EU nicht verbergen: Dem von Berlin und Paris dominierten Kerneuropa stehen der arme
Osten und der verarmende Süden als Peripherie gegenüber. Vor Italien hatten Portugal,
Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Griechenland, Polen, die Slowakei, Slowenien,
Ungarn, Malta und die drei baltischen Staaten schon Investitionsabkommen mit
China im Rahmen der BRI vereinbart. Auch der Finanzplatz Luxemburg trat bei. Mit
Italien beteiligt sich, entgegen Warnungen aus Washington und Brüssel, erstmals
ein Mitglied der G7.
Freitag, 8. März 2019
Wie realistisch ist die strategische Autonomie der EU?
2019 und 2020 gehört die Bundesrepublik zu den zehn
nichtständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats, ebenso wie Belgien. Zusammen
mit den ständigen Mitgliedern Frankreich und Britannien sind bis zum Brexit vier
EU-Staaten in dem Gremium. Eine neue Studie der Stiftung Wissenschaft und
Politik (SWP) sieht dies als Gelegenheit und Herausforderung für die
Bundesregierung, „mehr europäische Autonomie“ in der Weltpolitik zu üben. Wie nimmt
sie diese Rolle wahr? Ihr Umgang mit dem Iran-Atomabkommen, mit der Kündigung
des INF-Vertrags, ihr Agieren beim Putschversuch in Venezuela und im
Handelskonflikt USA-China lässt nichts Gutes ahnen.
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Donnerstag, 7. Februar 2019
Rechtsbeugung ohne Skrupel – EU und Bundestag zu Venezuela
Beim laufenden Putschversuch in Venezuela will die
internationale Konterrevolution mit dem selbsternannten Interimspräsidenten
Guaidó eine Gegenregierung installieren. Mit Wirtschaftskrieg, politischem
Druck der USA, der EU, rechter Nachbarregierungen und durch Anheizen innerer
Unruhen soll Guaidó einen relevanten Teil der Armee auf seine Seite ziehen.
Trumps Haudegen Bolton und Pompeo sowie sein Einflüsterer Rubio, ein republikanischer
Senator für Florida, der sich als Exilkubaner ausgibt, haben Guaidós
Putschversuch von langer Hand mit vorbereitet. Bisher sind nur vereinzelt
Armeeangehörige den Lockrufen der „Opposition“ gefolgt. Der Putschversuch dürfte
sich daher in die Länge ziehen. Nach der Verfassung müsste ein
Interimspräsident, wäre er legitim, innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen
durchführen. Dafür wollen die USA ihrer Marionette Guaidó die der
venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA im Wirtschaftskrieg geraubten Mittel zur
Verfügung stellen.
Freitag, 11. Januar 2019
Freie Fahrt für nukleares Wettrüsten?
Der INF-Vertrag von 1987 zwischen den USA und der UdSSR verbietet
landgestützte atomare Mittelstreckenraketensysteme der Reichweiten 500-5500 km.
Er stoppte in den 1980er Jahren die sogenannte „Nachrüstung“, mit der die US-Militärstrategie
die Zweitschlagfähigkeit der UdSSR aushebeln und einen Atomkrieg auf
europäischem Boden führbar machen wollte. Dagegen entstand eine breite
Friedensbewegung, die den INF-Vertrag als ihren Erfolg ansah. Die Anstrengungen
der USA, ihre Atomstreitkräfte zu befähigen, einen präemptiven (vorbeugenden) Erstschlag
gegen Russland zu führen, gingen auch nach dem Zerfall der UdSSR und des
Warschauer Pakts weiter. Die seit Jahrzehnten vorangetriebene US-Raketenabwehr
in Europa, die an Pläne Reagans anknüpfte, ist Teil der atomaren
Offensivstrategie.
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Freitag, 7. Dezember 2018
Poroschenko eskaliert. Angela soll es richten
Laut Umfrage eines Kiewer Instituts sind 75 Prozent der
Ukrainer der Meinung, das Land entwickele sich in die falsche Richtung. Tatsächlich
sind die wirtschaftlichen und politisch-sozialen Verhältnisse desolat. Korruption
und Willkür herrschen, die Demokratie wird unterdrückt. Der Krieg gegen die
Ostukraine geht weiter. So sind Poroschenkos Aussichten, im März 2019
wiedergewählt zu werden, schlecht. Die Eskalation des Konflikts mit Russland ermöglicht
ihm, die nationalistische Karte zu ziehen. Im September kündigte er den 1999
geschlossenen Freundschaftsvertrag mit Russland, der 2019 ausläuft und auf den
sich bilaterale Abkommen, wie das über die gemeinsame Nutzung des Asowschen
Binnenmeers beziehen. Die von den USA geförderte Abspaltung der ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer
Patriarchats von der ukrainisch-orthodoxen
Kirche Moskauer Patriarchats bejubelte Poroschenko. Mit der Spaltung verliere
Russland einen „Einflusshebel auf die ehemalige Kolonie“.
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Freitag, 9. November 2018
Falsche Zuschreibungen
Söder tönte nach der Bayernwahl, er wolle nicht mit den
Grünen koalieren. Vielmehr wolle er mit den Freien Wählern eine „bürgerliche
Regierung“ bilden. Will er suggerieren, Koalitionen mit Grünen oder die GroKo
in Berlin seien Koalitionen mit „nichtbürgerlichen“, „linken“ Parteien? Weiter
rechts von Söder, kläfft die AfD gegen ein „links-grün-versifftes Establishment“
und unterstellt, es gäbe eine Dominanz „der Linken“ in Medien, Staat und
Gesellschaft. Als „links“ verschrien ist in diesem Spektrum auch die SPD-Führung.
Angela Merkel wiederum ist den Rechten in ihrer eigenen Partei „zu links“. AfDler
beschimpfen Merkel gar als „Honecker-Zögling“.
Was „links“ und was „rechts“ ist, hängt nicht davon ab, ob eine
politische Richtung von einer imaginären „Mitte“ nach „rechts“ oder „links“
abweicht. Vielmehr muss der Klasseninhalt von Politik analysiert werden. Ursprung
des „Rechts-Links-Schemas“ war die Sitzordnung in der französischen Nationalversammlung.
Doch seitdem bedeutet „links“ die Parteinahme für die Emanzipation der unteren
Klassen und „rechts“ die Verteidigung von Macht und Privilegien der oberen
Klassen.
In der Bundesrepublik herrscht ökonomisch die
Monopolbourgeoisie, deren politische Hauptpartei seit Jahrzehnten die CDU/CSU
ist. Die Rolle der rechten SPD-Führung besteht seit mehr als 100 Jahren darin,
die Arbeiterklasse in das kapitalistische System zu integrieren. Da sie das nur
kann, wenn sie in gewissem Maß in der Arbeiterklasse verankert bleibt, entsteht
in ihr zugleich immer wieder ein oppositioneller linker Flügel. Wenn Peer Steinbrück
sich für die SPD zurzeit einen Bernie Sanders (nur 30 Jahre jünger) wünscht,
trägt er dieser Logik Rechnung. Die Grünen stiegen auf, als im Gefolge der
Ausweitung des Bildungswesens in den 1970er Jahren die neuen Mittelschichten stark
anschwollen. Im Unterschied zum alten Mittelstand und zum traditionellen
Beamtentum sind große Teile der neuen Mittelschichten Nachfolgegenerationen der
1968er und Aufsteiger aus Familien Lohnabhängiger.
In den 1980ern engagierten sich viele Angehörige der neuen
Mittelschichten in den „neuen sozialen Bewegungen“ für Frauenrechte, gegen
AKWs, für Schwulen- und Minderheitenrechte. Dem Neoliberalismus gelang es, durch
Aufgreifen dieser „weichen“ Themen der Nach-1968er Bewegung und mit rechtlichen
und kulturellen Zugeständnissen, große Teile der neuen Mittelschichten für das
Bündnis mit dem Monopolkapital zu gewinnen. Politik und Ideologie des
Monopolkapitals modernisierten sich dabei, auch im Eigeninteresse an mehr Frauenerwerbsarbeit
oder an mehr Migration. Das ist ablesbar an der Modernisierung der CDU durch
Merkel, mit der die Partei in Großstädten verlorenen Boden gut machen wollte.
Seit dem Jugoslawienkrieg haben sich die Grünen endgültig vom
Antiimperialismus der 1968er gelöst und sind ins NATO-Lager übergegangen. Auch waren
sie als Beteiligte an der Agenda 2010 Komplizen beim Abbau von Rechten der
Arbeiterklasse. Daher ist ihre Politik schon lange nicht mehr „links“. Vielmehr
sind die Verwerfungen infolge des neoliberalen Umbaus, die Prekarisierung und
Schwächung der Arbeiterbewegung, die Folgen imperialistischer Kriege und Regime
Changes mitverantwortlich für den Aufstieg des Rechtspopulismus. Früher wurde
dieser durch die CDU und vor allem die CSU mit abgedeckt. Nach deren
„Modernisierung“ geht das nicht mehr.
Ein großes linkes Lager, dem ein bürgerliches Lager gegenüberstünde,
gibt es in der Bundesrepublik heute nicht. Die Linkspartei agiert im
Zehn-Prozent-Ghetto, die DKP ist weitgehend marginalisiert. Die SPD will sich ständig
erneuern, weiß aber nicht wie. Die vielen Massenaktionen gegen rechts, für Demokratie
und soziale Belange schlugen an den Wahlurnen bisher primär für die Grünen zu
Buche. Immerhin erhöht das für CDU/CSU die Hemmschwelle für Koalitionen mit der
AfD.
UZ-Kolumne von Beate Landefeld vom 9.11.2018
Freitag, 12. Oktober 2018
Ungeliebte GroKo. Die Merkel-Nachfolger scharren mit den Füßen
Zum „Deutschlandtag“ traf sich Anfang Oktober die Junge
Union. Der ungeduldige Nachwuchs der Hauptpartei des Monopolkapitals CDU/CSU forderte
für künftige Bundeskanzler eine Amtszeitbegrenzung von drei Legislaturperioden.
Angela Merkel absolviert ihre vierte Amtszeit, ist aus JU-Sicht also
überfällig. Falls die Landtagswahlen in Bayern und Hessen den Parteien der
GroKo so schwere Verluste bringen, wie erwartet, wird auch die
Nachfolgediskussion für den Parteivorsitz der CDU neu entbrennen. Merkel will im
Dezember nochmals für den Vorsitz kandidieren. Drei politisch Unbekannte kündigten
schon Gegenkandidaturen an. Bereits nach der Abwahl des Merkel-Vertrauten
Kauder vom CDU-Fraktionsvorsitz titulierte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU)
Merkel als „lahme Ente“.
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Freitag, 7. September 2018
Diesseits von Afrika
Ende August bereiste Angela Merkel erneut Afrika. Offizieller
Zweck ihrer Reise nach Senegal, Ghana und Nigeria waren Absprachen, wie sich
die Migration nach Europa verringern ließe. Bei ihrer vorherigen Afrikareise
hatte die Kanzlerin gedrängt, Routen durch Stacheldrahtzäune, Kontrollen und das
Abfangen von Migranten auf nordafrikanischem Boden zu sperren. Diesmal ging es,
wie es euphemistisch hieß, um die „Bekämpfung von Fluchtursachen“. Dazu brachte
Merkel Unternehmer mit, die in Afrika investieren sollen, damit Jugendliche mehr
Perspektiven in ihrer Heimat bekommen. Anreize will Berlin durch Investitionsförderung
und Beispiele direkter Organisierung von Ausbildungsplätzen vor Ort schaffen.
Erwähnt wurde ein Ausbildungsprojekt der Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit (GIZ) im Senegal. VW kündigte an, in Ghana und Nigeria
Montagewerke zu planen.
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Freitag, 10. August 2018
Linke Machtoption?
„Die Idee ist gut. Der Zeitpunkt ist richtig gewählt. Das
Bedürfnis nach tiefgreifender Veränderung ist riesig“, schreiben der
SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow, die Linke Sevim Dagdelen und die
Grüne Antje Vollmer im Spiegel vom 3.7.2018.
Es geht um die Sammlungsbewegung Aufstehen
für ein friedliches und gerechtes Land, die Sahra Wagenknecht und andere am
4. September ausrufen wollen. Sie sei keine neue Partei, sondern verstehe sich
als außerparlamentarische Bewegung, die neue Themen und Positionen in die
öffentliche Debatte bringen will. Mit dabei sind der Sozialpolitiker Rudolf
Dressler (SPD), der Soziologe Wolfgang Streeck, der Dramaturg Bernd Stegemann. Wagenknecht
nennt als Ziel „andere politische Mehrheiten und eine neue Regierung mit
sozialer Agenda“. Dafür will die Sammlungsbewegung Mitglieder der SPD, der
Grünen, der Linken, Parteilose und Nichtwähler mobilisieren. Die SPD sei ein
„Schlüssel“ für andere politische Mehrheiten. Solange die SPD ihre
Agenda-2010-Politik fortsetze, werde sie aber weiter schrumpfen. „Das
verringert die Chance auf eine linke Machtoption“, so Wagenknecht gegenüber dem
Spiegel.
Freitag, 13. Juli 2018
Noch wird Merkel im Herrschaftssystem gebraucht
Die CDU/CSU als Hauptpartei des deutschen Monopolkapitals erweist
sich seit Jahrzehnten als fähig, den Konsens einer Bevölkerungsmehrheit dafür
zu organisieren, dass sich beim oberen 1 Prozent Reichtum und Macht ungestört
vermehren. Sie tut es durch ihren Wählereinfluss als „Volkspartei“ und indem
sie mit anderen, im gleichen Sinn „regierungsfähigen“ Parteien koaliert. 69
Jahre Bundesrepublik Deutschland waren 49 Jahre mit CDU-geführten Regierungen.
Zwischen 1969 und 2005 lagen 20 Jahre mit SPD-geführten Regierungen. Nach
Schröders Agenda 2010 verlor die SPD die Eigenschaft einer „Volkspartei“, stark
genug, eine Regierung im Bund zu führen. Damit wurde das von bürgerlichen
Parlamentarismus-Experten als ideal angesehene Wechselspiel zwischen Mitte-Rechts-
und Mitte-Links-Regierungen ausgehebelt. Regierungen auf Bundesebene sind ohne
CDU nicht mehr möglich.
Freitag, 8. Juni 2018
Merkel wird "sprechfähig" und antwortet Macron
Das Festhalten der EU am von Trump aufgekündigten Iran-Deal wird
unterlaufen. Angefangen mit Total und Siemens bekennt ein Großkonzern nach dem
anderen, sich an die US-Sanktionen gegen den Iran halten zu wollen. Baltische
Länder und Polen, die die USA als ihren wichtigsten Bündnispartner sehen,
stehen ohnehin nur halbherzig hinter der EU-Linie. Bundeskanzlerin Merkel tat
von vornherein kund, es nütze nichts, die eigenen Kräfte zu überschätzen. Mit
der vielbeschworenen gemeinsamen Außenpolitik der EU, gar auf „Augenhöhe mit
den USA“ ist es nicht weit her.
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Freitag, 11. Mai 2018
Angst vor chinesischen Handys - China rüttelt am Technologiemonopol
Der ägyptische Marxist Samir Amin nannte 1998 fünf Monopolstellungen,
durch die die Vormachtstellung des US-geführten Westens geprägt sei: (1) das
Monopol der neuen Technologien, (2) das der Kontrolle über die globalen
Finanzströme, (3) die Kontrolle des Zugangs zu den Bodenschätzen des Planeten,
(4) die Kontrolle der Kommunikationsmittel und Medien, (5) das Monopol der
Massenvernichtungswaffen. (Marxistische Blätter 4-1998, S. 48) Damals befand
sich die unipolare „neue Weltordnung“ vor ihrem Höhepunkt, der laut Egon Bahr in
den Jahren 2001-2005 lag und mit dem Scheitern des Irakkriegs überschritten wurde.
(Vgl. Marxistische Blätter 4-2007, S. 29) Heute sind mehrere der
Monopolstellungen untergraben oder bedroht. Chinas Aufstieg und seine konstruktive
weltwirtschaftliche Rolle, die desaströsen Folgen der US-Regime-Change- und
Kriegspolitik im Irak, in Libyen, der Ukraine, Afghanistan und Syrien zeigten die
Überdehnung und die Grenzen des US-Imperiums auf.
Im aktuellen US-chinesischen Handelskonflikt schält sich mehr
und mehr heraus, dass es den USA um die Verteidigung ihrer Monopolstellung bei
den neuen Technologien geht. Seit Jahren schüren US-Konkurrenten, FBI und
Geheimdienste die Angst vor chinesischen Handys, vor Huawei und ZTE, mit denen vorgeblich
chinesische Spionage möglich sei. Nun wurde US-Zulieferfirmen verboten, an ZTE
zu liefern. Anfang Mai brachte Trumps Verhandlungsdelegation eine Liste mit
Forderungen nach Peking. Danach soll China seinen Handelsüberschuss gegenüber
den USA – er betrug zuletzt 375 Dollar – bis 2020 um 200 Milliarden Dollar
abbauen, Subventionen für High-Tech-Firmen beenden und Zölle auf das US-Niveau
senken. Auf Beschränkungen der US-Regierung für chinesische Investitionen in
sensible Technologien dürfe China nicht mit Gegenmaßnahmen antworten. Vor allem
solle Peking sich nicht rächen, indem es amerikanische Landwirtschaftsprodukte
angreife. Bei Ungehorsam werde Washington noch mehr Strafzölle verhängen.
Freitag, 6. April 2018
China wappnet sich gegen Trumps Handelskrieg
Trumps Plan, Einfuhren aus China mit 60 Milliarden Dollar Zoll
zu belasten, schickte in der letzten Märzwoche 2018 die Börsenkurse weltweit in
den Keller. Erst ein Telefonat des US-Finanzministers Mnuchin mit Chinas
Vizepremier Liu He ließ auf Verhandlungen hoffen und unterbrach den Absturz.
Der US-Handelskrieg gegen China, zöge die Wertschöpfungsketten nahezu aller
global agierenden Konzerne in Mitleidenschaft. Trotzdem wird er weiter vorbereitet.
Eine Liste der betroffenen Waren, zu der die Firmen sich äußern dürfen, wird
binnen 60 Tagen erstellt. Parallel klagen die USA und China bei der
Welthandelsorganisation und suchen Bündnisse mit anderen Handelspartnern. Die
USA gewährten Ausnahmen von den Zolldrohungen bei Stahl und Aluminium, wie im
Fall Kanadas. Für die EU gab es Aufschub bis zum 1. Mai.
Freitag, 9. März 2018
Menetekel für das Geschäftsmodell der deutschen Bourgeoisie
Am ersten Märzsonntag 2018 endete der 22. Parteitag der DKP.
Eine an Sensationen reiche Woche endete. Leserforen waren voll vom Streit, den die
Essener Tafel provozierte, die zurzeit nur Neukunden mit deutschem Pass annehmen
will. Donald Trump schickte die Börsenkurse weltweit in den Keller, indem er saftige
Zölle für Stahl- und Aluminiumimporte ankündigte. Am Sonntag kam das Ergebnis
des SPD-Mitgliedervotums: zwei Drittel für, ein Drittel gegen die Große
Koalition. In Italien legten rechte Populisten bei der Parlamentswahl zu. Die Krisenphänomene
kumulieren sich zu Warnzeichen für das Geschäftsmodell der deutschen
Bourgeoisie, das darin besteht, auf Kosten der inneren Entwicklung permanente
Exportüberschüsse zu erwirtschaften.
Freitag, 9. Februar 2018
Der Schrumpfkurs - zur Vertrauenskrise in der SPD
Von 1990 bis 2003, als die Agenda 2010 beschlossen wurde,
sank die Mitgliederzahl der SPD um ungefähr 20000 jährlich von 943402 auf
650798. Ausnahme war das Jahr der Kanzlerwahl Schröders, wo sie lediglich
stagnierte. Die Schrumpfung der SPD begann nicht mit der Agenda, wurde aber durch
sie besiegelt. Allein im Jahr 2003 sank die SPD-Mitgliederzahl um über 43000,
dann im Schnitt um jährlich etwa 17000 auf 432704 Ende 2016. Zum ersten Mal
seit 1990 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder wieder im Jahr der Kandidatur
von Martin Schulz 2017 um etwa 10000 auf 443152 bis Jahresende. Da die CDU
leicht schrumpfte, wurde die SPD wieder größte deutsche Partei. Dank der
Auseinandersetzung um die große Koalition gingen die Eintritte Anfang 2018 weiter.
Der Aufruf der Kampagne NoGroKo an frühere Mitglieder und Wähler, einzutreten,
um sich an der Abstimmung gegen die GroKo zu beteiligen, erreichte einen
kleinen Bruchteil der „Ehemaligen“.
Freitag, 12. Januar 2018
Angst vor den chinesischen Digitalkommunisten?
In jüngster Zeit nehmen Alarmrufe der Freunde der
Kapitalherrschaft über die angebliche Bedrohung unserer Lebensweise durch den
chinesischen Kommunismus zu. Sigmar Gabriel versuchte vergeblich in allerletzter
Minute, die Übernahme der Roboterfirma Kuka durch chinesische Investoren zu
verhindern und mahnte bei der EU Abwehrpläne gegen solche Übernahmen an. Er beschwor
die Gefahr einer Spaltung der EU durch China, da chinesisches Geld im
Zusammenhang mit dem Seidenstraßenprojekt in süd- und südosteuropäische Länder
fließe, von denen einige durch EU-Austeritätsprogramme unter neoliberalem
„Reformdruck“ stehen. Anlass zur Beunruhigung war auch ein geheimnisvoller
chinesischer Großaktionär der Deutschen Bank, dessen Identität trotz Bemühungen
investigativer Journalisten zunächst nicht aufzuklären war.
Samstag, 9. Dezember 2017
Sorgen einer Minderheit - Ein Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrats
Der CDU-Wirtschaftsrat ist nicht irgendwer. Die in ihm
zusammengeschlossenen rund 11000 Unternehmer sind der organisierte Kern des
Wirtschaftsflügels der politischen Hauptpartei des deutschen Monopolkapitals.
Den vom Wirtschaftrat jährlich ausgerichteten Wirtschaftstag der Union nannte
das Handelsblatt einmal die „Jahreshauptversammlung der deutschen Wirtschaft“. Die
Führungsgremien des Wirtschaftsrats sind mit Vertretern des Monopolkapitals
besetzt. Werner M. Bahlsen, einer der 500 reichsten Deutschen, steht an der
Spitze. Die Frage „Was macht der Wirtschaftsrat?“ beantwortet die Homepage des
Zusammenschlusses wie folgt: „Die Führungskräfte der Wirtschaft sind zahlenmäßig
immer eine Minderheit. Um ihre berechtigten Anliegen dennoch durchsetzen zu
können, müssen sie über bessere Informationen, eine bessere Organisation und
bessere Argumente verfügen als andere.“ Das allerbeste Argument dürfte dabei
die ökonomische Macht der „Führungskräfte“ sein.
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Montag, 27. November 2017
Zur Strategie des antimonopolistischen Kampfes
1. Strategie, Taktik und Programm
Was ist eine Strategie? Laut politischem Wörterbuch der DDR bedeutet sie die Bestimmung der Hauptstoßrichtung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse und die Bestimmung des Verhältnisses der Interessen der Arbeiterklasse zu denen aller anderen sozialen Kräfte in einer bestimmten Periode der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Strategie bestimmt die in einer konkret-historischen Etappe zu lösenden Hauptaufgaben und den Hauptgegner, der der Lösung im Wege steht. Ebenso bestimmt sie die möglichen Hauptverbündeten, die gegen den Gegner mobilisierbar sind, sowie solche sozialen Kräfte, die „paralysiert“ oder „neutralisiert“ werden können. Das Ziel ist, den Hauptgegner zu isolieren und den Kreis der gegen ihn mobilisierbaren Kräfte so stark wie möglich zu machen. Je mehr das gelingt, desto günstiger gestaltet sich der Verlauf des Kampfs um die Hegemonie und um die Macht, desto mehr lassen sich die eigenen Verluste begrenzen.[1]
Was ist eine Strategie? Laut politischem Wörterbuch der DDR bedeutet sie die Bestimmung der Hauptstoßrichtung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse und die Bestimmung des Verhältnisses der Interessen der Arbeiterklasse zu denen aller anderen sozialen Kräfte in einer bestimmten Periode der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Strategie bestimmt die in einer konkret-historischen Etappe zu lösenden Hauptaufgaben und den Hauptgegner, der der Lösung im Wege steht. Ebenso bestimmt sie die möglichen Hauptverbündeten, die gegen den Gegner mobilisierbar sind, sowie solche sozialen Kräfte, die „paralysiert“ oder „neutralisiert“ werden können. Das Ziel ist, den Hauptgegner zu isolieren und den Kreis der gegen ihn mobilisierbaren Kräfte so stark wie möglich zu machen. Je mehr das gelingt, desto günstiger gestaltet sich der Verlauf des Kampfs um die Hegemonie und um die Macht, desto mehr lassen sich die eigenen Verluste begrenzen.[1]
Freitag, 10. November 2017
Klassenkampf - Warum Konzerne und Monopolparteien den Mittelstand umwerben
Die CDU, seit Gründung der Bundesrepublik Hauptpartei des
deutschen Monopolkapitals, nennt den Mittelstand „Rückgrat der deutschen
Wirtschaft“. Ein FDP-Flyer verkündet: „Wer den Mittelstand stärkt, stärkt das
ganze Land“. Die Homepage des BDI, dessen Spitzenpersonal aus der
Finanzoligarchie stammt, preist den Mittelstand als „Herz der deutschen
Wirtschaft“ und lobt: „Mittelständische Unternehmen stemmen den größten Teil
der Wirtschaftsleistung, beschäftigen die meisten Mitarbeiter und tragen
erheblich zum unternehmerischen Steueraufkommen in Deutschland bei.“
Laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) gab es 2015 etwa
3.469.000 Unternehmen in Deutschland. Sie differenzierten sich in 15363 Großunternehmen
(= 0,44 Prozent aller Unternehmen) und 3.453.676 kleine und mittlere
Unternehmen oder KMU (= 99,56 Prozent). Die 0,44 Prozent Großunternehmen erbrachten
65 Prozent der Umsätze, die 99,56 Prozent KMU 35 Prozent. Die Machtstellung der
Großkonzerne ermöglicht ihnen, einen Teil der Wirtschaftsleistung der KMU abzuschöpfen,
durch Druck auf Preise und Löhne von Zulieferern, die oft technisch, ökonomisch
oder finanziell von ihnen abhängen. Diese Abhängigkeit ist für den BDI kein
Thema. Vielmehr schießt er gegen eine „Politik“, die sich „zunehmend dem
Verwalten des Wohlstands verschrieben“ habe und das mittelständische Herz der
Wirtschaft einschnüre.
Freitag, 13. Oktober 2017
Macrons "Neugründung" und Merkels Routine
Frankreichs Präsident Macron will die EU „neu gründen“. Er verkündete
es in Athen mit der beleuchteten Akropolis im Rücken. Nach der Bundestagswahl waren
ausgesuchte Studenten an der Sorbonne die Kulisse für eine „Europarede“,
während Hunderte vor der Tür gegen seine Arbeitsmarktreform demonstrierten. Macron
will für die Eurozone einen eigenen Haushalt und einen Finanzminister. Vor der
Sorbonne-Rede telefonierte er mit Angela Merkel. Er schnürte sein Anliegen in
ein Paket mit Dingen, die auch die Bundeskanzlerin gutheißt, wie „mehr Militarisierung“
und „gemeinsame Sicherung der Außengrenzen“. Auf dem EU-Gipfel in Tallin lobte
ihn Frau Merkel. Seine Rede gebe der Entwicklung einen „guten Impuls“. Über
Details müsse man noch reden. „Ausgesprochen positiv“ seien Macrons Vorschläge
„zum Ausbau einer gemeinsamen Verteidigungs- und Migrationspolitik“. (Handelsblatt online 29.9.2017)
Angela Merkel ist routiniert darin, französische Präsidenten
auflaufen zu lassen.
Freitag, 8. September 2017
Auf Visite in Paris
Gabriel fällt französischen Gewerkschaftern in den Rücken und kritisiert China
Ende August weilte Sigmar Gabriel zu deutsch-französischen
Regierungsgesprächen bei Emmanuel Macron. Es war der Tag, an dem Macron sein lange
angekündigtes Arbeitsgesetz, bei dem es sich um die französische Variante der
deutschen Hartz IV-Gesetze handelt, den Vertretern französischer Gewerkschaften
erläuterte. Gabriel begrüßte das Gesetz. Schließlich soll es die Deregulierung
und Prekarisierung nun auch in Frankreich in Fahrt bringen. Die Berliner Regierung
fordert das seit Langem. Für die deutsche Presse und den Wahlkampf stellte
Gabriel Macrons Absicht ins Zentrum, eine Reform der Arbeitnehmer-Entsende-Richtlinie
der EU zu initiieren, um in den reichen EU-Ländern ausländisches Lohndumping zu
erschweren. Gabriels Fähigkeit, Dreck als Gold erscheinen lassen, ist bekannt,
seit er es hinbekam, das Freihandelsabkommen CETA der SPD-Bundestagsfraktion als
Fortschritt zu verkaufen. Nun wird er ein Arbeitsgesetz, das 68 Prozent der
Franzosen als Angriff auf die Rechte der Lohnabhängigen sehen, in Deutschland als
„sozial“ hinstellen.
Gabriel hielt an diesem Tag auch eine Rede vor den französischen
Botschaftern, die ein Treffen in Paris hatten. Er nutzte die Gelegenheit zu
einem Appell an die Europäer, gegen China zusammenzuhalten. „Wenn es uns nicht
gelingt, eine eigene Strategie mit Blick auf China zu entwickeln,“ soll er laut
Handelsblatt 30.8.17 gewarnt haben, „dann wird es China gelingen, Europa zu
spalten.“
Freitag, 11. August 2017
Venezuela und die „Sorge um die Gewaltenteilung“
Im Juli 2017 war die Bevölkerung Venezuelas dreimal zur
Abstimmung aufgerufen. Am 16. Juli veranstaltete die Wahlbehörde CNE einen Testlauf
für die Wahl der Verfassunggebenden Versammlung (Constituyente), laut CNE mit einer
„massiven Beteiligung“. Am gleichen Tag organisierte das Oppositionsbündnis MUD
ein Votum für den Sturz von Maduro, für die Bildung einer Parallelregierung und
für die Verhinderung der Wahl zum Verfassungskonvent. Bei dieser rechtlich unverbindlichen
Abstimmung konnte, laut eines Tweets des Oppositionsführers Borges, „jeder
teilnehmen, ob als Wähler eingeschrieben oder nicht, mit gültigem Ausweis oder
ohne“. Im Anschluss verkündete die Opposition 7,2 Millionen hätten sich beteiligt.
Die Zahl ist nicht überprüfbar. Die Wahlzettel wurden laut Opposition verbrannt,
„um Repressalien zu vermeiden“. Dennoch unterstellen die großen US- und EU-Medien
die 7,2 Millionen als Faktum. Die US-Regierung und EU-Regierungen machen damit
Politik.
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Freitag, 7. Juli 2017
Wir Europäer
Nord Stream 2 und die imperialistische Globalstrategie
Durch Russlandsanktionen und Ölpreisverfall haben sich die
deutschen Exporte nach Russland halbiert. 2016 wurde die Phase rückläufiger
Ausfuhren aber durchschritten, mit 0,3 Prozent Minus auf Jahressicht. Laut
Umfrage unter in Russland aktiven deutschen Unternehmen erwarten 63 Prozent
2017 steigende Umsätze. Es zahle sich aus, so DIHK-Außenwirtschaftschef Volker
Treier, „dass Politik und Wirtschaft trotz Sanktionsregimes die Gesprächskanäle
immer offengehalten haben“. Der deutsch-russische Handel beträgt das zehnfache
des USA-Russland-Handels. Entsprechend größer war der Schaden durch die Sanktionen.
Trotzdem beugte sich das deutsche Monopolkapital dem „Primat der Politik“ und ordnete
sein kurzfristiges ökonomisches Interesse der politischen Strategie des
deutschen Imperialismus, wie sie 2013 in der Studie „Neue Macht – neue
Verantwortung“ artikuliert wurde, unter.
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UZ-Kommentare
Freitag, 9. Juni 2017
Globalisierung trifft auf Globalisierung
Vom 12.-14. Mai 2017 trafen sich in Peking Vertreter aus
100 Staaten zum Gipfeltreffen des Belt
and Road Forums, unter ihnen 29 Staats- und Regierungschefs. Britannien war
durch Theresa May, Russland durch Wladimir Putin, Italien und Griechenland
durch ihre Ministerpräsidenten Gentiloni und Tsipras vertreten. Die BRD hatte Wirtschaftsministerin
Zypries geschickt. Die deutschen Medien behandelten das Ereignis unter „ferner
liefen“. Die Belt and Road Initiative,
auch Neue Seidenstraße genannt,
bündelt alte und neue Projekte Chinas und anderer Staaten zum Aufbau eines
interkontinentalen Infrastruktur-Korridors zwischen Europa, Afrika, Asien und
China. Er verläuft im geografischen Raum der historischen Seidenstraße und umfasst
Land- und Seewege, Pipelines und Häfen. Das Investitionsvolumen wird auf 1.100
Milliarden US-Dollar geschätzt, finanziert hauptsächlich durch die Asiatische
Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) und den Seidenstraßenfonds.
Freitag, 12. Mai 2017
"Führerin des Westens" - Wie Merkel die G20 vorbereitet
Nach der Saarland-Wahl haben die Medien den Schulz-Hype
abgeblasen. Im Rampenlicht steht die deutsche Rolle in der Welt, verkörpert
durch Merkel. Dass ausgerechnet im Wahljahr 2017 Deutschland Gastgeber der G20 ist,
ist kein Zufall. Eingestielt hat es Lars-Hendrik Röller, Merkels Vorbereiter
und Chefunterhändler für die G7- und G20-Gipfel. Man nennt die Chefunterhändler
Scherpas, nach dem Volk im Himalaya,
aus dem einst die Bergträger für
Expeditionen ins Hochgebirge rekrutiert wurden. Ökonomie-Professor Röller, Sohn
des früheren Vorstandssprechers der Dresdner Bank Wolfgang Röller und Bruder
des Leiters des ZDF-Studios in Washington Ulf-Jensen Röller, gehört von Geburt an
zu den oberen Zehntausend. Seit 2011 leitet er im Kanzleramt die Abteilung
Finanz- und Wirtschaftspolitik als Nachfolger von Merkels früherem Scherpa Jens
Weidmann, der nun Bundesbankpräsident ist.
Freitag, 14. April 2017
Zulauf für SPD und CDU – kein Schwert gegen rechts
Aus Sicht von FAZ-Redakteur
Günter Bannas löste die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz ein „Fest der
Demokratie“ aus. Die Parteien seien aus ihrer Lethargie erwacht. Die SPD
registriere Tausende neuer Mitglieder, auch die CDU gewinne dazu. Zwar seien
die Zahlen nicht mit denen aus den frühen siebziger Jahren zu vergleichen, als monatlich
(!) Zehntausende in SPD und Union eintraten, aber der Abwärtstrend der letzten
Jahre sei gebrochen. Erleichtert sieht Bannas im momentanen Zulauf zu den etablierten
Parteien den Beweis, dass diese auch heute „dem Volk nahe sein“ könnten. Das
Gerede von der „Krise der Volksparteien“ sei Schwarzmalerei. Die von Frankfurter
Anwälten initiierte Bewegung „Pulse of Europe“ trage ebenfalls zur
Revitalisierung bei. Angela Merkel schwärmt von „Pulse of Europe“: „Das ist
nicht gegen Politik gerichtet, das ist die notwendige, erfreuliche Ergänzung,
wenn Menschen sagen, das ist mir was wert,“ äußert sie bei einer Buchvorstellung.
Der Schrecken über das Brexit-Votum, über Trump, die Angst vor weiteren
Erfolgen von Rechtspopulisten, mobilisieren bisherige Passivbürger zu Demos und
an die Wahlurne. Anders als in den 1970ern, als auch die DKP Zulauf bekam, profitieren
zurzeit vor allem die seit Jahren schrumpfenden „Volksparteien“ SPD und CDU von
dem warmen Regen.
Freitag, 10. März 2017
Die Leistung und ihre Ver(sch)wendung
2016
exportierte Deutschland Waren im Wert von 1.207,5 Milliarden Euro und
importierte für 954,6 Milliarden. Es kam zum bisher höchsten
Exportüberschuss von 252,9 Milliarden. Exportüberschüsse sind das
Geschäftsmodell der deutschen Bourgeoisie. Bei fast allen
Abnehmerländern, wie den USA, Frankreich und Großbritannien, häufen
sich Defizite und Schulden an. Das schafft Unmut. Trumps
Wirtschaftsberater Navarro warf Deutschland in der Financial
Times vor, mit einem zu schwachen
Euro andere Länder auszubeuten. Die EU-Kommission forderte,
Deutschland solle mit höheren Löhnen und Renten, mit mehr
öffentlichen Investitionen zum Abbau der Ungleichgewichte in
Eurozone und Weltwirtschaft beitragen.
Freitag, 10. Februar 2017
Der Schau-mir-in-die-Augen-Vorschuss
Noch vor Kurzem
lobten die Spitzen der Großen Koalition sich selbst und den Zustand des von
ihnen regierten Landes überschwänglich: Die Wirtschaft sei am Brummen, die
Arbeitslosigkeit niedrig wie jahrzehntelang nicht, Steuertöpfe und Sozialkassen
gefüllt und all das ohne Neuschulden. „Noch nie ging es uns so gut wie heute“,
prahlten sie. Das war eine Beschönigung, die über die prekäre Lage eines Großteils
der hiesigen Lohnabhängigen hinwegsah und sich über das Elend, das Berlins
Austeritätsdiktate in Südeuropa hinterlassen haben, ausschwieg.
Nach dem
Brexit-Votum und der Trump-Wahl räumte die smarte Kriegsministerin Ursula von
der Leyen in einer Talkshow ein, dass „die Globalisierung“ nicht nur Gewinner
kenne. Es gebe „Globalisierungsverlierer“, die für die „einfachen Lösungen“ der
„Populisten von rechts und links“ anfällig seien. Die „Lösungen“ der
Herrschenden sind nicht „einfach“, sondern „komplex“, aber trotzdem ziemlich
durchsichtig. Sie preisen mit schöner Regelmäßigkeit die Agenda 2010, die neoliberale
Deregulierung, die Privatisierung, die Prekarisierung als „Reformen“, die „Deutschland“
stark gemacht hätten. In der Realität haben kapitalistische Ausbeutung und neoliberale
Umverteilung von unten nach oben die Reichen reicher und die Armen zahlreicher
gemacht. Die untere Mittelschicht fühlt sich vom Abstieg bedroht.
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