Freitag, 13. März 2020
Werben um Erdogan – wie Berlin in Syrien wieder mitreden will
„Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf“ – unter diesem Titel
schrieb die ZEIT am 12.6.2012: „Bei der Stiftung Wissenschaft und
Politik (SWP) hat sich seit Januar eine Gruppe von bis zu 50 syrischen
Oppositionellen aller Couleur geheim getroffen, um Pläne für die Zeit nach
Assad zu schmieden. Das geheime Projekt mit dem Namen ‚Day After‘ wird von der
SWP in Partnerschaft mit dem United States Institute of Peace (USIP)
organisiert, wie die ZEIT von Beteiligten erfuhr. Das deutsche
Außenministerium und das State Department helfen mit Geld, Visa und Logistik.“ Assad
zu stürzen, blieb Berlins hehres Ziel in bisher neun Jahren Krieg mit hunderttausenden
Toten. Allerdings gestand Angela Merkel kürzlich vor der CDU-Fraktion, es habe
sich gezeigt, dass „ein von außen initiierter Regierungswechsel in Damaskus
nicht möglich“ sei. Der Krieg habe nur zu einer „Radikalisierung“ geführt (Reuters,
3.3.2020).
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Freitag, 14. Februar 2020
In Thüringen misslang die diskrete Öffnung der bürgerlichen Mitte nach rechts
Mit der Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten Thüringens wollten
AfD, FDP und CDU eine zweite Amtszeit des Linke-Politikers Ramelow verhindern. Direkt
nach der Wahl stellten sich die FDP-Führer Lindner und Kubicki hinter Kemmerichs
Plan, mit CDU, Grünen und SPD eine „Regierung der Mitte“ zu bilden. Von der CDU-Spitze
war nichts zu hören. Erst als auf Twitter und vor FDP- und CDU-Parteibüros ein Proteststurm
einsetzte, gingen die Spitzen beider großbürgerlichen Parteien auf Distanz zum
Wahl-Coup ihrer Erfurter Abgeordneten. Kemmerichs Fehler sei gewesen, seine „überraschende“
Wahl durch die AfD anzunehmen, hieß es nun. Tags darauf forderte Angela Merkel,
die Ergebnisse der Wahl rückgängig zu machen.
Freitag, 10. Januar 2020
Für einen „normalen“ Nationalstaat. Irak braucht Frieden und Souveränität
Im Irak-Krieg 2003 wurde der frühere Staatsapparat des Irak
zerstört. Unter dem Regime Saddam Husseins waren die Sunniten privilegiert, die
Schiiten unterdrückt. Seit Saddams Sturz wird der unter der US-Besatzung
gebildete Staatsapparat weitgehend von Schiiten getragen. Sie stellen
Zweidrittel der Bevölkerung. Der Iran, dessen theokratische Führung sich als Schutzmacht
der Schiiten sieht, gewann im Irak stark an Einfluss. Irans Einfluss steigerte
sich noch im Zuge der „Volksmobilisierung“ im Kampf gegen den IS. Dafür wurden Milizen
rekrutiert. Ihren Aufbau unterstützte auch der iranische General Suleimani. Laut
New-York-Times-Korrespondent David D. Kirkpatrik liquidierten die USA mit Suleimani
„einen der effektivsten Gegner des Islamischen Staats“, der mit Iran-gestützten
Milizen die Bodentruppen erheblich verstärkt habe, die den IS aus seinen Stützpunkten
in Syrien und im Irak vertrieben (5.1.).
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Freitag, 13. Dezember 2019
Verdächtig harmonisch. SPD will aus der „neoliberalen Pampa“ heraus
Das Mitgliedervotum für Saskia Esken und Norbert
Walter-Borjans zeigt, dass eine Mehrheit der aktiven SPD-Mitglieder dem bisherigen
Partei-Establishment nicht zutraut, die SPD aus der Krise zu führen. Der SPD-Parteitag
beschloss einen Leitantrag, den der alte Vorstand zusammen mit dem neuen
Führungsduo entwarf. Eine Spaltung der Partei sollte vermieden werden. Tatsächlich
verlief der Parteitag verdächtig harmonisch. Der fast einstimmig verabschiedete
Leitantrag soll, wie Saskia Esken formulierte, der Fortsetzung der GroKo „eine
realistische Chance“ geben. Mit CDU/CSU will man über Nachbesserungen
beim Klimapaket, Infrastrukturinvestitionen und einen höheren Mindestlohn sprechen.
Die Forderungen an die künftige Arbeit der GroKo blieben vage. Kevin Kühnert,
der bekannteste GroKo-Gegner, bewarb den Leitantrag mit dem Argument, man könne
der neuen SPD-Führung vertrauen, dass sie bezüglich der GroKo künftig richtige
Entscheidungen treffe.
Freitag, 11. Oktober 2019
Klimapaket hilft Autoindustrie „grün“ zu werden
Zum klimaschädlichen CO2-Ausstoß trugen 2017 die Sektoren
Energiewirtschaft mit 39 Prozent, Industrie mit 22, Verkehr mit 20 und
Gebäudewirtschaft mit 17 Prozent bei. Energiesektor und Industrie, zusammen
Verursacher von über 60 Prozent des Ausstoßes, unterliegen seit 2005 dem
EU-Emissionshandel (ETS), in dem die Verschmutzungsrechte schrittweise
verknappt werden. In den Nicht-ETS-Sektoren Verkehr, Gebäudewirtschaft und
Landwirtschaft wird die BRD ihre Reduktionsziele 2005-2020 (-14%) und 2021-2030
(-38%) voraussichtlich verfehlen. Es drohen Strafen seitens der EU. Dazu kommt
der Imageschaden. Für das Verfehlen der Ziele im Nicht-ETS-Bereich ist primär
der Verkehr verantwortlich, in dem der CO2-Ausstoß trotz technischen Fortschritts
sogar anstieg. Grund ist das höhere Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr.
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Freitag, 13. September 2019
Merkels 12. Handelsreise nach China
Am 6./7. September besuchte Kanzlerin Merkel mit großem
Wirtschaftsgefolge zum 12. Mal in 14 Jahren Amtszeit die VR China. Den ersten
Besuch einer westlichen Staatschefin nach Ausbruch der Hongkong-Unruhen begleitete
eine Kampagne in Politik und Medien, die Merkel nahelegte, die sogenannte „Hongkonger
Demokratiebewegung“ zu unterstützen. Deren Anführer Wong schrieb einen Brief an
Merkel.
Freitag, 9. August 2019
Im Sog der US-Aggression – die Golf-Mission der „Europäer“
Das Atomabkommen zwischen dem Iran und den UN-Vetomächten
plus Deutschland sah vor, dass der Iran sein Atomprogramm einschränkt und im
Gegenzug der Westen seine Wirtschaftssanktionen aufhebt. 2018 stieg Trump aus
dem Abkommen aus und verhängte u.a. ein Ölembargo gegen den Iran. Dagegen
erklärten die anderen Unterzeichner die Absicht, am Abkommen festzuhalten.
Großkonzerne der EU gaben aber zu, die US-Sanktionen einhalten zu wollen, um
nicht selbst von den USA bestraft zu werden. Für den Iran gleicht ein nur verbales
Festhalten der EU am Abkommen die Schäden durch erneute Sanktionen nicht aus.
Er sieht sich daher an einzelne Vorgaben des Vertrags nicht länger gebunden.
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Freitag, 12. Juli 2019
Austerität und Dublin
Auf dem Mittelmeer zeigt die EU ihr wahres Gesicht
„Frieden. Europa ist die Antwort“, war eine Parole im EU-Wahlkampf.
Einige Wochen nach der Wahl nominierte der Europäische Rat die Freundin der
Rüstungskonzerne Ursula von der Leyen als EU-Chefin im Paket mit der Freundin
der Hochfinanz Christine Lagarde als EZB-Chefin. Macron, Italien und die Visegrád-Staaten
fegten das „Spitzenkandidatenprinzip“, das Demokratie simulieren soll, beiseite.
Die Visegrád-Staaten schätzen Frau von der Leyen wegen ihrer zuverlässig
antirussischen Haltung, ihres Einsatzes für die NATO-Ostflanke und für die EU-Militarisierung.
Der Militarismus als einigendes Band bildete den Auftakt zur neuen EU-Legislaturperiode.
Zur gleichen Zeit entkam die Käpitänin des Seenotrettungsschiffs Sea-Watch 3 dem
Gefängnis. Ein italienisches Gericht erklärte ihre Einfahrt in den Hafen von
Lampedusa mit 40 Flüchtlingen aus libyschen Lagern an Bord für rechtens.
Freitag, 7. Juni 2019
Konfrontation statt Offenheit - Merkels Harvard-Rede und die Realität.
Im Mai 2017, nach ersten Polter-Auftritten des neuen
US-Präsidenten Trump bei den G7, hielt Kanzlerin Merkel auf einem CSU-Treffen
ihre von der Qualitätspresse hoch gelobte „Bierzeltrede“. Kernaussage: „Wir
Europäer müssen unser Schicksal … in unsere eigene Hand nehmen“. Die Zeiten, in
denen „wir uns auf andere verlassen konnten“, seien „ein Stück weit vorbei“. Das
gab dem EU-Militarismus einen Schub. Im Mai 2019 hielt die Kanzlerin wieder
eine beachtete Rede, diesmal zu Absolventen der US-Eliteuniversität Harvard. Sie
pries das 70 Jahre alte, „wertebasierte“ transatlantische Bündnis, forderte
Kampf gegen Klimawandel, freien Welthandel statt Protektionismus, Offenheit
statt Mauern, multilateral statt unilateral, global statt national. Wahrheiten
dürften nicht Lügen genannt werden und Lügen nicht Wahrheiten. In Harvard, dem
wissenschaftlichen Zentrum der liberalen Ostküsten-Elite, brandete bei jedem Seitenhieb
gegen Trump Beifall auf.
Freitag, 10. Mai 2019
„Friedlich“ oder Beihilfe zur Eskalation?
Außenminister Maas hält Venezuelas Putschisten und Scharfmachern die Stange
Am Tag des jüngsten Putschversuchs in Venezuela, am 30.
April, traf sich Heiko Maas mit dem faschistischen Präsidenten Brasiliens Jair
Messias Bolsonaro. Während der selbsternannte venezolanische Interimspräsident
Guaidó wieder einmal zur Spaltung der Armee aufrief und seine Anhänger mit
Brandfackeln und Molotowcocktails ausgerüstet in den Straßenkampf zogen, schloss
Maas vor der konterrevolutionären Gewalt die Augen und deklarierte: „Unsere
Unterstützung für Juan Guaidó hat sich in keiner Weise geändert“. Er hoffe,
dass die Lage friedlich bleibe. Sein frommer Wunsch erscheint bei gleichzeitiger
Unterstützung des Putschisten, der einen Dialog stets ablehnte und allein auf Gewalt
und militärischen Verrat setzt, unglaubwürdig. Guaidós in immer neuen Anläufen
versuchte Spaltung der Armee zielt vielmehr auf einen Bürgerkrieg. „Friedlich“ kann
die Lage in einem Land, gegen das die USA einen irregulären Krieg führen, schon
jetzt kaum noch genannt werden.
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Freitag, 12. April 2019
Die Globalisierung schleicht sich von ungewohnter Seite heran
Italien stieg in das Projekt der Neuen Seidenstraße ein (Belt
and Road Initiative = BRI). Chinas Präsident Xi kam dazu nach Rom. Er besuchte danach
Monaco und Paris. Er vereinbarte Handelsverträge mit Präsident Macron.
Kanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Juncker kamen dazu, um zu zeigen,
dass die EU sich nicht spalten lasse. Ihre Show kann die faktische Spaltung der
EU nicht verbergen: Dem von Berlin und Paris dominierten Kerneuropa stehen der arme
Osten und der verarmende Süden als Peripherie gegenüber. Vor Italien hatten Portugal,
Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Griechenland, Polen, die Slowakei, Slowenien,
Ungarn, Malta und die drei baltischen Staaten schon Investitionsabkommen mit
China im Rahmen der BRI vereinbart. Auch der Finanzplatz Luxemburg trat bei. Mit
Italien beteiligt sich, entgegen Warnungen aus Washington und Brüssel, erstmals
ein Mitglied der G7.
Freitag, 8. März 2019
Wie realistisch ist die strategische Autonomie der EU?
2019 und 2020 gehört die Bundesrepublik zu den zehn
nichtständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats, ebenso wie Belgien. Zusammen
mit den ständigen Mitgliedern Frankreich und Britannien sind bis zum Brexit vier
EU-Staaten in dem Gremium. Eine neue Studie der Stiftung Wissenschaft und
Politik (SWP) sieht dies als Gelegenheit und Herausforderung für die
Bundesregierung, „mehr europäische Autonomie“ in der Weltpolitik zu üben. Wie nimmt
sie diese Rolle wahr? Ihr Umgang mit dem Iran-Atomabkommen, mit der Kündigung
des INF-Vertrags, ihr Agieren beim Putschversuch in Venezuela und im
Handelskonflikt USA-China lässt nichts Gutes ahnen.
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Donnerstag, 7. Februar 2019
Rechtsbeugung ohne Skrupel – EU und Bundestag zu Venezuela
Beim laufenden Putschversuch in Venezuela will die
internationale Konterrevolution mit dem selbsternannten Interimspräsidenten
Guaidó eine Gegenregierung installieren. Mit Wirtschaftskrieg, politischem
Druck der USA, der EU, rechter Nachbarregierungen und durch Anheizen innerer
Unruhen soll Guaidó einen relevanten Teil der Armee auf seine Seite ziehen.
Trumps Haudegen Bolton und Pompeo sowie sein Einflüsterer Rubio, ein republikanischer
Senator für Florida, der sich als Exilkubaner ausgibt, haben Guaidós
Putschversuch von langer Hand mit vorbereitet. Bisher sind nur vereinzelt
Armeeangehörige den Lockrufen der „Opposition“ gefolgt. Der Putschversuch dürfte
sich daher in die Länge ziehen. Nach der Verfassung müsste ein
Interimspräsident, wäre er legitim, innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen
durchführen. Dafür wollen die USA ihrer Marionette Guaidó die der
venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA im Wirtschaftskrieg geraubten Mittel zur
Verfügung stellen.
Freitag, 11. Januar 2019
Freie Fahrt für nukleares Wettrüsten?
Der INF-Vertrag von 1987 zwischen den USA und der UdSSR verbietet
landgestützte atomare Mittelstreckenraketensysteme der Reichweiten 500-5500 km.
Er stoppte in den 1980er Jahren die sogenannte „Nachrüstung“, mit der die US-Militärstrategie
die Zweitschlagfähigkeit der UdSSR aushebeln und einen Atomkrieg auf
europäischem Boden führbar machen wollte. Dagegen entstand eine breite
Friedensbewegung, die den INF-Vertrag als ihren Erfolg ansah. Die Anstrengungen
der USA, ihre Atomstreitkräfte zu befähigen, einen präemptiven (vorbeugenden) Erstschlag
gegen Russland zu führen, gingen auch nach dem Zerfall der UdSSR und des
Warschauer Pakts weiter. Die seit Jahrzehnten vorangetriebene US-Raketenabwehr
in Europa, die an Pläne Reagans anknüpfte, ist Teil der atomaren
Offensivstrategie.
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Freitag, 7. Dezember 2018
Poroschenko eskaliert. Angela soll es richten
Laut Umfrage eines Kiewer Instituts sind 75 Prozent der
Ukrainer der Meinung, das Land entwickele sich in die falsche Richtung. Tatsächlich
sind die wirtschaftlichen und politisch-sozialen Verhältnisse desolat. Korruption
und Willkür herrschen, die Demokratie wird unterdrückt. Der Krieg gegen die
Ostukraine geht weiter. So sind Poroschenkos Aussichten, im März 2019
wiedergewählt zu werden, schlecht. Die Eskalation des Konflikts mit Russland ermöglicht
ihm, die nationalistische Karte zu ziehen. Im September kündigte er den 1999
geschlossenen Freundschaftsvertrag mit Russland, der 2019 ausläuft und auf den
sich bilaterale Abkommen, wie das über die gemeinsame Nutzung des Asowschen
Binnenmeers beziehen. Die von den USA geförderte Abspaltung der ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer
Patriarchats von der ukrainisch-orthodoxen
Kirche Moskauer Patriarchats bejubelte Poroschenko. Mit der Spaltung verliere
Russland einen „Einflusshebel auf die ehemalige Kolonie“.
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Freitag, 9. November 2018
Falsche Zuschreibungen
Söder tönte nach der Bayernwahl, er wolle nicht mit den
Grünen koalieren. Vielmehr wolle er mit den Freien Wählern eine „bürgerliche
Regierung“ bilden. Will er suggerieren, Koalitionen mit Grünen oder die GroKo
in Berlin seien Koalitionen mit „nichtbürgerlichen“, „linken“ Parteien? Weiter
rechts von Söder, kläfft die AfD gegen ein „links-grün-versifftes Establishment“
und unterstellt, es gäbe eine Dominanz „der Linken“ in Medien, Staat und
Gesellschaft. Als „links“ verschrien ist in diesem Spektrum auch die SPD-Führung.
Angela Merkel wiederum ist den Rechten in ihrer eigenen Partei „zu links“. AfDler
beschimpfen Merkel gar als „Honecker-Zögling“.
Was „links“ und was „rechts“ ist, hängt nicht davon ab, ob eine
politische Richtung von einer imaginären „Mitte“ nach „rechts“ oder „links“
abweicht. Vielmehr muss der Klasseninhalt von Politik analysiert werden. Ursprung
des „Rechts-Links-Schemas“ war die Sitzordnung in der französischen Nationalversammlung.
Doch seitdem bedeutet „links“ die Parteinahme für die Emanzipation der unteren
Klassen und „rechts“ die Verteidigung von Macht und Privilegien der oberen
Klassen.
In der Bundesrepublik herrscht ökonomisch die
Monopolbourgeoisie, deren politische Hauptpartei seit Jahrzehnten die CDU/CSU
ist. Die Rolle der rechten SPD-Führung besteht seit mehr als 100 Jahren darin,
die Arbeiterklasse in das kapitalistische System zu integrieren. Da sie das nur
kann, wenn sie in gewissem Maß in der Arbeiterklasse verankert bleibt, entsteht
in ihr zugleich immer wieder ein oppositioneller linker Flügel. Wenn Peer Steinbrück
sich für die SPD zurzeit einen Bernie Sanders (nur 30 Jahre jünger) wünscht,
trägt er dieser Logik Rechnung. Die Grünen stiegen auf, als im Gefolge der
Ausweitung des Bildungswesens in den 1970er Jahren die neuen Mittelschichten stark
anschwollen. Im Unterschied zum alten Mittelstand und zum traditionellen
Beamtentum sind große Teile der neuen Mittelschichten Nachfolgegenerationen der
1968er und Aufsteiger aus Familien Lohnabhängiger.
In den 1980ern engagierten sich viele Angehörige der neuen
Mittelschichten in den „neuen sozialen Bewegungen“ für Frauenrechte, gegen
AKWs, für Schwulen- und Minderheitenrechte. Dem Neoliberalismus gelang es, durch
Aufgreifen dieser „weichen“ Themen der Nach-1968er Bewegung und mit rechtlichen
und kulturellen Zugeständnissen, große Teile der neuen Mittelschichten für das
Bündnis mit dem Monopolkapital zu gewinnen. Politik und Ideologie des
Monopolkapitals modernisierten sich dabei, auch im Eigeninteresse an mehr Frauenerwerbsarbeit
oder an mehr Migration. Das ist ablesbar an der Modernisierung der CDU durch
Merkel, mit der die Partei in Großstädten verlorenen Boden gut machen wollte.
Seit dem Jugoslawienkrieg haben sich die Grünen endgültig vom
Antiimperialismus der 1968er gelöst und sind ins NATO-Lager übergegangen. Auch waren
sie als Beteiligte an der Agenda 2010 Komplizen beim Abbau von Rechten der
Arbeiterklasse. Daher ist ihre Politik schon lange nicht mehr „links“. Vielmehr
sind die Verwerfungen infolge des neoliberalen Umbaus, die Prekarisierung und
Schwächung der Arbeiterbewegung, die Folgen imperialistischer Kriege und Regime
Changes mitverantwortlich für den Aufstieg des Rechtspopulismus. Früher wurde
dieser durch die CDU und vor allem die CSU mit abgedeckt. Nach deren
„Modernisierung“ geht das nicht mehr.
Ein großes linkes Lager, dem ein bürgerliches Lager gegenüberstünde,
gibt es in der Bundesrepublik heute nicht. Die Linkspartei agiert im
Zehn-Prozent-Ghetto, die DKP ist weitgehend marginalisiert. Die SPD will sich ständig
erneuern, weiß aber nicht wie. Die vielen Massenaktionen gegen rechts, für Demokratie
und soziale Belange schlugen an den Wahlurnen bisher primär für die Grünen zu
Buche. Immerhin erhöht das für CDU/CSU die Hemmschwelle für Koalitionen mit der
AfD.
UZ-Kolumne von Beate Landefeld vom 9.11.2018
Freitag, 12. Oktober 2018
Ungeliebte GroKo. Die Merkel-Nachfolger scharren mit den Füßen
Zum „Deutschlandtag“ traf sich Anfang Oktober die Junge
Union. Der ungeduldige Nachwuchs der Hauptpartei des Monopolkapitals CDU/CSU forderte
für künftige Bundeskanzler eine Amtszeitbegrenzung von drei Legislaturperioden.
Angela Merkel absolviert ihre vierte Amtszeit, ist aus JU-Sicht also
überfällig. Falls die Landtagswahlen in Bayern und Hessen den Parteien der
GroKo so schwere Verluste bringen, wie erwartet, wird auch die
Nachfolgediskussion für den Parteivorsitz der CDU neu entbrennen. Merkel will im
Dezember nochmals für den Vorsitz kandidieren. Drei politisch Unbekannte kündigten
schon Gegenkandidaturen an. Bereits nach der Abwahl des Merkel-Vertrauten
Kauder vom CDU-Fraktionsvorsitz titulierte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU)
Merkel als „lahme Ente“.
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Freitag, 7. September 2018
Diesseits von Afrika
Ende August bereiste Angela Merkel erneut Afrika. Offizieller
Zweck ihrer Reise nach Senegal, Ghana und Nigeria waren Absprachen, wie sich
die Migration nach Europa verringern ließe. Bei ihrer vorherigen Afrikareise
hatte die Kanzlerin gedrängt, Routen durch Stacheldrahtzäune, Kontrollen und das
Abfangen von Migranten auf nordafrikanischem Boden zu sperren. Diesmal ging es,
wie es euphemistisch hieß, um die „Bekämpfung von Fluchtursachen“. Dazu brachte
Merkel Unternehmer mit, die in Afrika investieren sollen, damit Jugendliche mehr
Perspektiven in ihrer Heimat bekommen. Anreize will Berlin durch Investitionsförderung
und Beispiele direkter Organisierung von Ausbildungsplätzen vor Ort schaffen.
Erwähnt wurde ein Ausbildungsprojekt der Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit (GIZ) im Senegal. VW kündigte an, in Ghana und Nigeria
Montagewerke zu planen.
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Freitag, 10. August 2018
Linke Machtoption?
„Die Idee ist gut. Der Zeitpunkt ist richtig gewählt. Das
Bedürfnis nach tiefgreifender Veränderung ist riesig“, schreiben der
SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow, die Linke Sevim Dagdelen und die
Grüne Antje Vollmer im Spiegel vom 3.7.2018.
Es geht um die Sammlungsbewegung Aufstehen
für ein friedliches und gerechtes Land, die Sahra Wagenknecht und andere am
4. September ausrufen wollen. Sie sei keine neue Partei, sondern verstehe sich
als außerparlamentarische Bewegung, die neue Themen und Positionen in die
öffentliche Debatte bringen will. Mit dabei sind der Sozialpolitiker Rudolf
Dressler (SPD), der Soziologe Wolfgang Streeck, der Dramaturg Bernd Stegemann. Wagenknecht
nennt als Ziel „andere politische Mehrheiten und eine neue Regierung mit
sozialer Agenda“. Dafür will die Sammlungsbewegung Mitglieder der SPD, der
Grünen, der Linken, Parteilose und Nichtwähler mobilisieren. Die SPD sei ein
„Schlüssel“ für andere politische Mehrheiten. Solange die SPD ihre
Agenda-2010-Politik fortsetze, werde sie aber weiter schrumpfen. „Das
verringert die Chance auf eine linke Machtoption“, so Wagenknecht gegenüber dem
Spiegel.
Freitag, 13. Juli 2018
Noch wird Merkel im Herrschaftssystem gebraucht
Die CDU/CSU als Hauptpartei des deutschen Monopolkapitals erweist
sich seit Jahrzehnten als fähig, den Konsens einer Bevölkerungsmehrheit dafür
zu organisieren, dass sich beim oberen 1 Prozent Reichtum und Macht ungestört
vermehren. Sie tut es durch ihren Wählereinfluss als „Volkspartei“ und indem
sie mit anderen, im gleichen Sinn „regierungsfähigen“ Parteien koaliert. 69
Jahre Bundesrepublik Deutschland waren 49 Jahre mit CDU-geführten Regierungen.
Zwischen 1969 und 2005 lagen 20 Jahre mit SPD-geführten Regierungen. Nach
Schröders Agenda 2010 verlor die SPD die Eigenschaft einer „Volkspartei“, stark
genug, eine Regierung im Bund zu führen. Damit wurde das von bürgerlichen
Parlamentarismus-Experten als ideal angesehene Wechselspiel zwischen Mitte-Rechts-
und Mitte-Links-Regierungen ausgehebelt. Regierungen auf Bundesebene sind ohne
CDU nicht mehr möglich.
Freitag, 8. Juni 2018
Merkel wird "sprechfähig" und antwortet Macron
Das Festhalten der EU am von Trump aufgekündigten Iran-Deal wird
unterlaufen. Angefangen mit Total und Siemens bekennt ein Großkonzern nach dem
anderen, sich an die US-Sanktionen gegen den Iran halten zu wollen. Baltische
Länder und Polen, die die USA als ihren wichtigsten Bündnispartner sehen,
stehen ohnehin nur halbherzig hinter der EU-Linie. Bundeskanzlerin Merkel tat
von vornherein kund, es nütze nichts, die eigenen Kräfte zu überschätzen. Mit
der vielbeschworenen gemeinsamen Außenpolitik der EU, gar auf „Augenhöhe mit
den USA“ ist es nicht weit her.
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Freitag, 11. Mai 2018
Angst vor chinesischen Handys - China rüttelt am Technologiemonopol
Der ägyptische Marxist Samir Amin nannte 1998 fünf Monopolstellungen,
durch die die Vormachtstellung des US-geführten Westens geprägt sei: (1) das
Monopol der neuen Technologien, (2) das der Kontrolle über die globalen
Finanzströme, (3) die Kontrolle des Zugangs zu den Bodenschätzen des Planeten,
(4) die Kontrolle der Kommunikationsmittel und Medien, (5) das Monopol der
Massenvernichtungswaffen. (Marxistische Blätter 4-1998, S. 48) Damals befand
sich die unipolare „neue Weltordnung“ vor ihrem Höhepunkt, der laut Egon Bahr in
den Jahren 2001-2005 lag und mit dem Scheitern des Irakkriegs überschritten wurde.
(Vgl. Marxistische Blätter 4-2007, S. 29) Heute sind mehrere der
Monopolstellungen untergraben oder bedroht. Chinas Aufstieg und seine konstruktive
weltwirtschaftliche Rolle, die desaströsen Folgen der US-Regime-Change- und
Kriegspolitik im Irak, in Libyen, der Ukraine, Afghanistan und Syrien zeigten die
Überdehnung und die Grenzen des US-Imperiums auf.
Im aktuellen US-chinesischen Handelskonflikt schält sich mehr
und mehr heraus, dass es den USA um die Verteidigung ihrer Monopolstellung bei
den neuen Technologien geht. Seit Jahren schüren US-Konkurrenten, FBI und
Geheimdienste die Angst vor chinesischen Handys, vor Huawei und ZTE, mit denen vorgeblich
chinesische Spionage möglich sei. Nun wurde US-Zulieferfirmen verboten, an ZTE
zu liefern. Anfang Mai brachte Trumps Verhandlungsdelegation eine Liste mit
Forderungen nach Peking. Danach soll China seinen Handelsüberschuss gegenüber
den USA – er betrug zuletzt 375 Dollar – bis 2020 um 200 Milliarden Dollar
abbauen, Subventionen für High-Tech-Firmen beenden und Zölle auf das US-Niveau
senken. Auf Beschränkungen der US-Regierung für chinesische Investitionen in
sensible Technologien dürfe China nicht mit Gegenmaßnahmen antworten. Vor allem
solle Peking sich nicht rächen, indem es amerikanische Landwirtschaftsprodukte
angreife. Bei Ungehorsam werde Washington noch mehr Strafzölle verhängen.
Freitag, 6. April 2018
China wappnet sich gegen Trumps Handelskrieg
Trumps Plan, Einfuhren aus China mit 60 Milliarden Dollar Zoll
zu belasten, schickte in der letzten Märzwoche 2018 die Börsenkurse weltweit in
den Keller. Erst ein Telefonat des US-Finanzministers Mnuchin mit Chinas
Vizepremier Liu He ließ auf Verhandlungen hoffen und unterbrach den Absturz.
Der US-Handelskrieg gegen China, zöge die Wertschöpfungsketten nahezu aller
global agierenden Konzerne in Mitleidenschaft. Trotzdem wird er weiter vorbereitet.
Eine Liste der betroffenen Waren, zu der die Firmen sich äußern dürfen, wird
binnen 60 Tagen erstellt. Parallel klagen die USA und China bei der
Welthandelsorganisation und suchen Bündnisse mit anderen Handelspartnern. Die
USA gewährten Ausnahmen von den Zolldrohungen bei Stahl und Aluminium, wie im
Fall Kanadas. Für die EU gab es Aufschub bis zum 1. Mai.
Freitag, 9. März 2018
Menetekel für das Geschäftsmodell der deutschen Bourgeoisie
Am ersten Märzsonntag 2018 endete der 22. Parteitag der DKP.
Eine an Sensationen reiche Woche endete. Leserforen waren voll vom Streit, den die
Essener Tafel provozierte, die zurzeit nur Neukunden mit deutschem Pass annehmen
will. Donald Trump schickte die Börsenkurse weltweit in den Keller, indem er saftige
Zölle für Stahl- und Aluminiumimporte ankündigte. Am Sonntag kam das Ergebnis
des SPD-Mitgliedervotums: zwei Drittel für, ein Drittel gegen die Große
Koalition. In Italien legten rechte Populisten bei der Parlamentswahl zu. Die Krisenphänomene
kumulieren sich zu Warnzeichen für das Geschäftsmodell der deutschen
Bourgeoisie, das darin besteht, auf Kosten der inneren Entwicklung permanente
Exportüberschüsse zu erwirtschaften.
Freitag, 9. Februar 2018
Der Schrumpfkurs - zur Vertrauenskrise in der SPD
Von 1990 bis 2003, als die Agenda 2010 beschlossen wurde,
sank die Mitgliederzahl der SPD um ungefähr 20000 jährlich von 943402 auf
650798. Ausnahme war das Jahr der Kanzlerwahl Schröders, wo sie lediglich
stagnierte. Die Schrumpfung der SPD begann nicht mit der Agenda, wurde aber durch
sie besiegelt. Allein im Jahr 2003 sank die SPD-Mitgliederzahl um über 43000,
dann im Schnitt um jährlich etwa 17000 auf 432704 Ende 2016. Zum ersten Mal
seit 1990 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder wieder im Jahr der Kandidatur
von Martin Schulz 2017 um etwa 10000 auf 443152 bis Jahresende. Da die CDU
leicht schrumpfte, wurde die SPD wieder größte deutsche Partei. Dank der
Auseinandersetzung um die große Koalition gingen die Eintritte Anfang 2018 weiter.
Der Aufruf der Kampagne NoGroKo an frühere Mitglieder und Wähler, einzutreten,
um sich an der Abstimmung gegen die GroKo zu beteiligen, erreichte einen
kleinen Bruchteil der „Ehemaligen“.
Freitag, 12. Januar 2018
Angst vor den chinesischen Digitalkommunisten?
In jüngster Zeit nehmen Alarmrufe der Freunde der
Kapitalherrschaft über die angebliche Bedrohung unserer Lebensweise durch den
chinesischen Kommunismus zu. Sigmar Gabriel versuchte vergeblich in allerletzter
Minute, die Übernahme der Roboterfirma Kuka durch chinesische Investoren zu
verhindern und mahnte bei der EU Abwehrpläne gegen solche Übernahmen an. Er beschwor
die Gefahr einer Spaltung der EU durch China, da chinesisches Geld im
Zusammenhang mit dem Seidenstraßenprojekt in süd- und südosteuropäische Länder
fließe, von denen einige durch EU-Austeritätsprogramme unter neoliberalem
„Reformdruck“ stehen. Anlass zur Beunruhigung war auch ein geheimnisvoller
chinesischer Großaktionär der Deutschen Bank, dessen Identität trotz Bemühungen
investigativer Journalisten zunächst nicht aufzuklären war.
Samstag, 9. Dezember 2017
Sorgen einer Minderheit - Ein Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrats
Der CDU-Wirtschaftsrat ist nicht irgendwer. Die in ihm
zusammengeschlossenen rund 11000 Unternehmer sind der organisierte Kern des
Wirtschaftsflügels der politischen Hauptpartei des deutschen Monopolkapitals.
Den vom Wirtschaftrat jährlich ausgerichteten Wirtschaftstag der Union nannte
das Handelsblatt einmal die „Jahreshauptversammlung der deutschen Wirtschaft“. Die
Führungsgremien des Wirtschaftsrats sind mit Vertretern des Monopolkapitals
besetzt. Werner M. Bahlsen, einer der 500 reichsten Deutschen, steht an der
Spitze. Die Frage „Was macht der Wirtschaftsrat?“ beantwortet die Homepage des
Zusammenschlusses wie folgt: „Die Führungskräfte der Wirtschaft sind zahlenmäßig
immer eine Minderheit. Um ihre berechtigten Anliegen dennoch durchsetzen zu
können, müssen sie über bessere Informationen, eine bessere Organisation und
bessere Argumente verfügen als andere.“ Das allerbeste Argument dürfte dabei
die ökonomische Macht der „Führungskräfte“ sein.
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UZ-Kommentare
Montag, 27. November 2017
Zur Strategie des antimonopolistischen Kampfes
1. Strategie, Taktik und Programm
Was ist eine Strategie? Laut politischem Wörterbuch der DDR bedeutet sie die Bestimmung der Hauptstoßrichtung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse und die Bestimmung des Verhältnisses der Interessen der Arbeiterklasse zu denen aller anderen sozialen Kräfte in einer bestimmten Periode der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Strategie bestimmt die in einer konkret-historischen Etappe zu lösenden Hauptaufgaben und den Hauptgegner, der der Lösung im Wege steht. Ebenso bestimmt sie die möglichen Hauptverbündeten, die gegen den Gegner mobilisierbar sind, sowie solche sozialen Kräfte, die „paralysiert“ oder „neutralisiert“ werden können. Das Ziel ist, den Hauptgegner zu isolieren und den Kreis der gegen ihn mobilisierbaren Kräfte so stark wie möglich zu machen. Je mehr das gelingt, desto günstiger gestaltet sich der Verlauf des Kampfs um die Hegemonie und um die Macht, desto mehr lassen sich die eigenen Verluste begrenzen.[1]
Was ist eine Strategie? Laut politischem Wörterbuch der DDR bedeutet sie die Bestimmung der Hauptstoßrichtung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse und die Bestimmung des Verhältnisses der Interessen der Arbeiterklasse zu denen aller anderen sozialen Kräfte in einer bestimmten Periode der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Strategie bestimmt die in einer konkret-historischen Etappe zu lösenden Hauptaufgaben und den Hauptgegner, der der Lösung im Wege steht. Ebenso bestimmt sie die möglichen Hauptverbündeten, die gegen den Gegner mobilisierbar sind, sowie solche sozialen Kräfte, die „paralysiert“ oder „neutralisiert“ werden können. Das Ziel ist, den Hauptgegner zu isolieren und den Kreis der gegen ihn mobilisierbaren Kräfte so stark wie möglich zu machen. Je mehr das gelingt, desto günstiger gestaltet sich der Verlauf des Kampfs um die Hegemonie und um die Macht, desto mehr lassen sich die eigenen Verluste begrenzen.[1]
Freitag, 10. November 2017
Klassenkampf - Warum Konzerne und Monopolparteien den Mittelstand umwerben
Die CDU, seit Gründung der Bundesrepublik Hauptpartei des
deutschen Monopolkapitals, nennt den Mittelstand „Rückgrat der deutschen
Wirtschaft“. Ein FDP-Flyer verkündet: „Wer den Mittelstand stärkt, stärkt das
ganze Land“. Die Homepage des BDI, dessen Spitzenpersonal aus der
Finanzoligarchie stammt, preist den Mittelstand als „Herz der deutschen
Wirtschaft“ und lobt: „Mittelständische Unternehmen stemmen den größten Teil
der Wirtschaftsleistung, beschäftigen die meisten Mitarbeiter und tragen
erheblich zum unternehmerischen Steueraufkommen in Deutschland bei.“
Laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) gab es 2015 etwa
3.469.000 Unternehmen in Deutschland. Sie differenzierten sich in 15363 Großunternehmen
(= 0,44 Prozent aller Unternehmen) und 3.453.676 kleine und mittlere
Unternehmen oder KMU (= 99,56 Prozent). Die 0,44 Prozent Großunternehmen erbrachten
65 Prozent der Umsätze, die 99,56 Prozent KMU 35 Prozent. Die Machtstellung der
Großkonzerne ermöglicht ihnen, einen Teil der Wirtschaftsleistung der KMU abzuschöpfen,
durch Druck auf Preise und Löhne von Zulieferern, die oft technisch, ökonomisch
oder finanziell von ihnen abhängen. Diese Abhängigkeit ist für den BDI kein
Thema. Vielmehr schießt er gegen eine „Politik“, die sich „zunehmend dem
Verwalten des Wohlstands verschrieben“ habe und das mittelständische Herz der
Wirtschaft einschnüre.
Freitag, 13. Oktober 2017
Macrons "Neugründung" und Merkels Routine
Frankreichs Präsident Macron will die EU „neu gründen“. Er verkündete
es in Athen mit der beleuchteten Akropolis im Rücken. Nach der Bundestagswahl waren
ausgesuchte Studenten an der Sorbonne die Kulisse für eine „Europarede“,
während Hunderte vor der Tür gegen seine Arbeitsmarktreform demonstrierten. Macron
will für die Eurozone einen eigenen Haushalt und einen Finanzminister. Vor der
Sorbonne-Rede telefonierte er mit Angela Merkel. Er schnürte sein Anliegen in
ein Paket mit Dingen, die auch die Bundeskanzlerin gutheißt, wie „mehr Militarisierung“
und „gemeinsame Sicherung der Außengrenzen“. Auf dem EU-Gipfel in Tallin lobte
ihn Frau Merkel. Seine Rede gebe der Entwicklung einen „guten Impuls“. Über
Details müsse man noch reden. „Ausgesprochen positiv“ seien Macrons Vorschläge
„zum Ausbau einer gemeinsamen Verteidigungs- und Migrationspolitik“. (Handelsblatt online 29.9.2017)
Angela Merkel ist routiniert darin, französische Präsidenten
auflaufen zu lassen.
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